Böttiger, Carl August ; Sillig, Julius [Editor]
C. A. Böttiger's kleine Schriften archäologischen und antiquarischen Inhalts (Band 1) — Dresden , Leipzig, 1837

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als eiuer Rücksicht merkwürdig. Denn erstlich sehen wir daraus,
dafs gegen das Ende des nennten Jahrhunderts die Sitte des Hän-
defaltcns noch so wenig allgemein war, dafs selbst der Papst
darüber sein Gutachten ausstellen mnfste *). "Wir erfahren aber
auch zugleich den wahren Silin dieser Sitte. Es war ein armes
Sünderbekenntriifs voll Demuth und orientalischer Uuterthämgkeit!

Werke, so wie in Bosius, ich vergeblich nach einer Figur eines
Beters mit gefalteten Händen gesucht habe.

*) Die Christen behielten die alte Art zu beten (palmas supinas,
Xffwv <u*Ti«af*aTut Aeschyl., Prom. V. 1034. mit Stanley's
Anm.) anfangs bei, veränderten aber, als die Stanrodulie einrifs,
diese Haltung in so fern, dafs sie nun die Arme zugleich weit
ausspreizten, um so die Gestalt- des Kreuzes darzustellen. So
liefs siel» Constantin auf Münzen und anderm Bildwerk vorstellen
reu x£^?8 sxi'ETa^cEvo;. Ensebius in Vit, Const, IV, 15. mit Va-
tois Anmerk. S. 242. Paris. Diese Stellung ist im Mittelalter
und bis tief herab in's zwölfte Jahrhundert die allgemeinste. Vergl.
Bonaroti, sopra alc. frammenti antiebi di vitro p. 121. und
die zahlreichen Stellen, die Bingha.ni, Oiig. Eccles. T. V. p.
267. Rechenberg, de xs'?"?<r'« orantium (. Lips. 1678.), Cal-
vör, Kituale sacrum T. II. p 582. ed. Jenens. und vor Allen Hil-
debrand in seinem Rituali orantium c. 9. gesammelt haben. Nun
legte man auch die Arme kreuzweis über einander. Dann hob man
Mos die über einander gelegten halbhohlen Hände. Endlich kam
es zu unserm jetzt üblichen Händefalten, welches offenbar mit
der Sitte der Orientalen, die Hände mittels der langen, in ein-
ander passenden Kockärmel zum Zeichen der Unterthänigkeit zu
fesseln, oder mit den Strait Coats in den Tollhäusern, einerlei
Absicht und Bedeutung hat.
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