Böttiger, Carl August ; Sillig, Julius [Editor]
C. A. Böttiger's kleine Schriften archäologischen und antiquarischen Inhalts (Band 1) — Dresden , Leipzig, 1837

Page: 281
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111.

Tragische Masken

und

Tempel der'Alten.

Eine archäologische Parallele.

jf\ls bei zriheliraemJer Kultur der Grieche seine SfammgÖtter nichi
mehr blos auf liohen Bergen uud Felsensilzen verehrte nud von
den frühesten Ansiedlungen auf jenen berühmten Schlössern zu
Cadinea, Cecropia, Aerocorinth, Argos u. s. w. sich auch schon
in die angränzenden Ehencn heranwagte, wo sich die einzelnen
Wohnungen nach und nach in Städte zusammenschlössen, inufste
man natürlich sehr bald auf die Idee kommen , dafs den Heilig-
tliümcrn der Götter," die man nun auch auf den Ebenen zu weihen
anfing, eine sogleich in die Augen fallende Auszeichnung gebühre.
Man mnfsle auf etwas denken, wodurch sie für ihre früheren Berg-
sitze gleichsam entschädigt und ihre Tempel über die sie umge-
benden Privatwohnungen der Sterblichen sichtbar hervorgehoben
würden, Nicht zufrieden, sie überhaupt, wie die Häuser der Sfaiiim-
füisten und Könige *), hoch und luftig zu bauen, suchte mau ihnen
auch noch durch einige künstlichere Zusätze zu Hilfe zu kommen.

*) Das Homerische Beiwort ty&?0<l>o;, O^sjsff)»)?, welches die Scho-
tten und Glossen oft schlechtweg durch O^sjWv erklären, (VoTs,
der es immer durch hohe, gewölbte Wohnung übersetzt, könnte
leicht dadurch den Irrwahn fortpflanzen, als gäbe es im heroischen
Zeitalter schon vollendete Gewölbe, den die gewöhnlichen Antiqui-
tätensammler, z. B. Rambach in Potter's Archäologie Th, III. S.
363. ans dem Mifsverständnifs jenes Beiwortes erregt haben,} wird
sehr häutig von den Fürstenwolmungen in jenen Homerischen Ge-
sängen gebraucht und deutet wohl überhaupt nur auf höhere
Säle in Wohnungen, die eigentlich gar kein Stockwerk über dem
Erdgeschoß hatten.
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