Böttiger, Carl August ; Sillig, Julius [Editor]
C. A. Böttiger's kleine Schriften archäologischen und antiquarischen Inhalts (Band 1) — Dresden , Leipzig, 1837

Page: 184
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/boettiger1837bd1/0254
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
184

gels als eines Symbols der Ueberredungskiinste zur Liebe und
zwar fiir's Erste mir zur Ueberredung buhlerischer Liebe. Noch
sind geschnittene Steine vorhanden, die uns auf die früheste Quelle
dieser Künstler-Allegorie zurückführen. Jason stellt vor einer Säu-
le, mn welche sich der Colchische Drache windet. Auf der Säule
steht der Wendehals, der Vogel lynx *). Hierdurch ward gleich-
sam die Form bestimmt, wie diese Iynx von den Künstlern gestellt
werden könnte. Wenn daher auf einem späteren Kunstwerke, einem
Relief im Besitze des Herzogs von Carafa Noja zu Neapel, der
Gedanke ausgeführt werden soll, Paris beihörte die Helena, ihren
Gemahl zu verlassen und dem Buhlen über's Meer zu folgen, so
wird die Göttin Pitlio auf einer Säule über dem Haupte der Hele-
na sitzend und ihr gefiedertes Töchterchen , den Vogel Iyux, mit
der Rechten streichelnd abgebildet **). Natürlich blieb man aber
auch hierbei noch nicht stehen. Man gab nun diesen Wundervo-
gel auch Jünglingen und Mädchen in die Hand, wenn man den
"Zauber des Lieblings recht sinnlich ausdrücken wollte***). So
erscheint er auf geschnittenen Steinen und besonders auf alten Vaseu-

versinnbildet werden, auch Phittra und Zauberbeschwörungen in und
aufser der Ehe. Diese juyyif; wurden Töchter der Pitlio, waren
aber der Matrone Juno, wie billig, aufs Aeufsersfe verbatst.
*i Der Stein ist abgebildet im Museo F.lorent. T. II. tab. 39, 4. Der
unten stehende Widder liifst keinen Zweifel übrig, dafs Jason hier
gemeint sei. Wincke linaiin, Cabinet du B. de Stoscb. Class.
III. p, 324, 6t. fand die richtige Deutung. Die Vorstellung, ist
öfter nachgeahmt worden und in diesen Nachahmungen noch vor-
handen, Vergl. Lippert's Daclyliothek II, 97. 70. Tassie's
Catalogue n. 8634 — 39.
) Die Abbildung dieses in vieler Rücksicht merkwürdigen Reliefs
finden wir bei Wi n.ck elm a nn , in Monumenti inediü n. 1IÖ.
Winckelmann, dem hier nichts als die Tauben der Venus beil'allen
'will, erinnerte sich nicht, was er anderswo selbst über die lynx
gesagt hatte. Aus dem nun einmal festgesetzten Gebrauch, die
lynx auf eine Säule zu stellen, wo unten die verliebte Scene ge-
spielt wird, erkläre ich nun auch.eine der schönsten Vasenzeich-
nungen in Tischbeins Engravings T. III. t.. 39, wo Jason der
Medea gegenüber steht,. Eros aber, an eine Säule geleimt, auf die
Medea zielt. Auf dem älteren Gemälde, das hier der Vasen Zeich-
ner copirte, stand sicherlich oben auf der Säule die lynx, die aber
der Kopist als eine ihm unverständliche Nebenfigur (wie diefs nur
zu oft auf diesen Vasen der Fall sein mag) jwcgliefs.
I*) Eines der merkwürdigsten Vascngemälde, wo die lynx zweimal
erscheint, einmal über dein Brautsessel der Brautwerberin (xoo-
jj-v^TqtA), das andere Mal der ursprünglichen Bitdungsweise nach
auf einer Säule, von einem Genius gehalten, ist in der Hancar-
loading ...