Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Hrsg.]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

Seite: 24
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Zur Achchundertjahrfeier der Stadt Graz.
Wie wir erfahren, gedenkt die Stadt Graz, ihrer Bedeutung als
Steiermarks Hauptstadt, als zweitgrößte Stadt Österreichs sich voll
bewußt, die Erinnerung an das erste Auftauchen ihres Namens in
der Geschichte besonders festlich zu begehen. Es soll nicht ein Fest-
tag, sondern ein Festjahr werden. Aus dem reichen Programm,
das der von der Stadt eingesetzte Jubiläumsausschuß aufgebaut
hat, greifen wir einige der wichtigsten Nummern heraus, die auch
für unsere Leser, besonders für die Teilnehmer an der vorjährigen
Burgenfahrt, Interesse und Anziehungskraft haben dürften. Vom
23. Juni bis 31. Juli wird eine Jubiläums-EnergieWirtschafts-
ausstellung über das Wesen und die Entwicklung der Energie-
wirtschaft, die Erzeugung und Verteilung der Energie, ihren gegen-
wärtigen Stand in Österreichs Wasserkraftanlagen, Kohlengruben,
Hütten, ihre Verbundwirtschaft im In- und Auslande, Anschauungs-
unterricht geben, verbunden mit Darstellungen und Belegen der
Verwendung der Energie im Haushalt, Gewerbe und Industrie,
im landwirtschaftlichen Verkehrswesen. Die Ausstellung dürfte an-
gesichts der hohen Bedeutung, die insbesondere Österreichs Reich-
tum an Wasserkräften für ganz Mitteleuropa haben wird, zumal
die reichsdeutschen Ingenieure, Techniker und Industriellen im
höchsten Maße interessieren.
Am 23. Juni öffnet auch die große Jubiläumskunstausstel-
lung ihre Pforten, um sie erst am 31. August wieder zu schließen.
Vom 23. Juni bis 10. Juli steigt auch das Grazer Musikfest, das
große Konzertdarbietungen und Festvorstellungen in den Theatern
und die wundervolle alte Sitte des täglichen Straßensingens
der Grazer Gesangschöre vereinigt.
In den letzten Juliwochen finden Empfangsfeierlichkeiten für
die zahlreichen Einzelgruppen reichsdeutscher Sänger statt, die vom
großen Sängerbundfest in Wien kommend, das deutsche Graz be-
suchen werden. Es sind schon an 20000 gemeldet. Am 15. Septem-
ber wird die historische Ausstellung, verbunden mit einer kunst-
gewerblichen Gruppe und einer Stadtbilderschau von einmonatiger
Dauer eröffnet. Am Eröffnungstage ein Riesenfeuerwerk auf dem
Schloßberge. Dazwischen liegen große turnerische und sportliche
Veranstaltungen, Kongresse von Fachvereinigungen usw.
Vom 29. September bis 7. Oktober wird die Jubiläumsmesse,
verbunden mit einer Landwirtschaftsausstellung, ein bedeutsames
Bild der Bedeutung des steirischen Gewerbefleißes und der steirischen
Landwirtschaftsentwicklung (Vieh, Obst und Wein) geben. Am
7. Oktober wird ein großes Heimatfest mit steirischen Volkstänzen
und Gesängen das Jahr beschließen.
Graz, das im Deutschtum der Südmark den Ehrennamen 11rb3
2srmain88irnÄ (die deutscheste Stadt) führt und das heute die süd-
lichste Großstadt des deutschen Volkes und gleichzeitig seine südlichste
Hochschulstadt ist — diese alte Stadt, die gleichzeitig deutsches Grenz-
bollwerk und voll lieblichstem deutschen Märchenzauber, voll in-
timstem, künstlerischem Reize ist, soll — das ist der tiefste Unter-
grund dieses Jubelfestes — in diesem Jahre das Reiseziel vor allem
der Brüder aus dem Deutschen Reiche werden, dem Grazer Bürger
in Treue und Sehnsucht anhängen und dessen Reisevolk bisher
gerade dieses deutsche Städtekleinod so unverdient stiefmütterlich
behandelt hat. Hoffentlich wird's so, keinen wird's gereuen!
Schloß Wattersdorf unentgeltlich abzugeben.
Durch die Presse lief die Nachricht, daß das Schloß Wattersdorf,
dessen Besitzer die Stadt München ist, verschenkt werden solle.
Wie uns vom Stadtrat München mitgeteilt wird, hatten sich auf
diese Nachricht hin mehrere hundert Bewerber gemeldet.
In der Tat hat sich der Stadtrat München bereit erklärt, das
Schloß einem solchen Bewerber so gut wie unentgeltlich zu über-
lassen, der in der Lage ist, das Schloß wohnlich und behaglich her-
zurichten und dauernd in einem solchen Zustand zu erhalten. Von
den hundert Bewerbern besaß keiner die Mittel, die ausreichen
würden, um diese Voraussetzung zu erfüllen. Die Stadt selbst be-
sitzt, wie uns mitgeteilt wurde, die Mittel für die nötigen Jnstand-
setzungs- und Erhaltungsarbeiten nicht und hat überhaupt keine
Verwendung für das Schloß.

Schloß Mmdelburg.
Die Stadt Mmdelburg hat das Schloß gleichen Namens an-
gekauft. Über die Zweckbestimmung der Räume wird erst noch ent-
schieden werden.

Schloß Montabaur.
Der Unterwesterwaldkreis hat den Ankauf des Schlosses Monta-
baur beschlossen. In dem Schloß befinden sich neben Büroräumen
die Wohnungen des Landrats, des Kreisgärtners und des Haus-
meisters. Der Kreis, der schon jahrelang Mieter des Schlosses ist,
hat sich zum Ankauf deshalb entschlossen, weil zur Verbesserung
der Räume eine Zentralheizung eingebaut werden muß und die
Regierung die dafür erforderlichen Mittel abgelehnt hat.

Die Verwendung von Schloß Bensberg.
Der Kreiskriegerverband des Regierungsbezirks Düsseldorf plant
in Gemeinschaft mit benachbarten Kriegerverbänden den Ausbau
von Schloß Bensberg zu einem Erholungsheim für Kriegsveteranen,
Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene. Als Name wurde
Westdeutsches Kriegererholnngsheim in Vorschlag gebracht.

Die Burg Zu Wredenhagen.
Die frühere Ritterburg, später staatliche Domäne Wredenhagen
wurde vor zwei Jahren von der mecklenburgischen Landgesellschaft
vom Staate käuflich erworben, um sie aufzuteilen und für Sied-
lungen zu verwenden. Die Burg mit den darauf sich befindlichen
Gebäuden wurde der Gemeinde Wredenhagen verkauft, zugleich
wurde dafür Sorge getragen, daß im Sinne des Heimatschutzes
das geschichtlich gewordene Burgbild unverändert blieb. Es wurde
dort eine Schule eingerichtet.

Endgültige Regelung der Vormannsteinfrage.
Nach längeren Verhandlungen mit dem derzeitigen Besitzer hat
nunmehr die Stadt Treffurth die Burg Normannstein zur öffent-
lichen Bewirtschaftung auf 30 Jahre gepachtet. An der Burg erhält
die Stadt außerdem ein Vorkaufsrecht für alle Verkaufsfälle.
Damit finden alle Auseinandersetzungen in dieser Angelegen-
heit ihren Abschluß. Die Stadt wird bereits am 1. April d. I.
einen tüchtigen Fachmann als Burgwirt einsetzen und dafür sorgen,
daß nunmehr wieder alle Besucher der Burg in jeder Hinsicht zu-
friedengestellt werden.

Bücherschau.
Ein Marksbnrg - Roman. Der Dichter Wilhelm Kotzde,
der sich durch seine vaterländischen Romane, die uns in die besseren
und größeren Zeiten unseres Vaterlandes führen, in weiten Kreisen
unseres Volkes einen Namen gemacht hat, hat nach einem längeren
Aufenthalt auf der Marksburg, begeistert durch die Schönheit und
Ehrwürdigkeit des Baues, einen Roman geschaffen, der sich mit
den Geschicken der Burg und ihrer Bewohner befaßt. In wenigen
Wochen wird das Buch fertig vorliegen. Vorbestellungen nimmt
der Burg-Verlag, Berlin-Grunewald entgegen.
Joseph Buchkremer, Tie Sichernngsarbeiten a» der gotischen
Ehvrhalle der Miinsterkirche in Aachen. Nummer 1/2 von
Denkmalpflege und Heimatschutz.

Verantwortlicher Schriftleiter: Geh. Hofbaurat Prof. Bodo Ebhardt, Berlin-Grunewald. — Verlag: Burgverlag, G. in. b. H. Berlin-Grunewald
Druck: Spamersche Buchdruckerei, Leipzig.
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