Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

Page: 60
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/burgwart29/0084
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
Kulmbach und die Hohenzollernveste plassenburg.
Von Or. Ernst Merker.
^^^^Wlieles Herrliche der Welt ging in Krieg und Brand verloren", so klagt Goethe. Aber das schönste Los
erkennt er jenem zu, der zu erhalten weiß. Auch Kulmbach hat das Schicksal so vieler deutscher Städte
teilen müssen, deren alte Schönheit das Schwert zerschlug, die Flamme fraß. Vom Kulmbach des Mittel-
alters ist fast nichts übrig, seit die Hussiten 1430 und der streitbare Hohenzoller Albrecht Alcibiades 1553 ihr
L^^^ss^tWerk der Zerstörung vollbracht haben. Ohne das Landbuch von 1531 hätten wir von dem Zustande der
alten Stadt nur dürftige Kunde. Von dem Augustinerkloster wissen wir, daß es 1411 Brandschaden erlitt, der bald wieder
ausgebessert wurde, daß sich schwere Beschädigung 1430 wiederholte, daß es 1433 wieder in ansehnlichem Zustande
hergestellt war, endlich, daß es 1553 verbrannt und nicht von neuem erbaut ist. Es bildete (nach vr. Friedrich Stein,
Kulmbach und die Plassenburg, Kulmbach 1903, S. 78) eine große unregelmäßig viereckige Anlage, bestehend aus
Konventshans, Klosterkirche, Kreuzgang, Frauen-, St. Anna-, St. Elisabeth- und Zwölfapostelkapelle, Garten und
Brauhaus. -— Eine am Fuße des Burgberges befindlich gewesene Kapelle, deren Überreste bei dem Bau des „Mönchs-
hofes" 1895 entdeckt wurden, ist urkundlich zuerst erwähnt am 28. September 1318. -— Aus romanischer Zeit stammen
Grundmauern der St. Petri-(StadtPfarr-)Kirche. Nach der Hchsitenzerstörung wurde sie in einer an sich unnötigen
Größe als Hallenkirche in feinen, schlanken Verhältnissen neu erbaut. 1449 stand der Hausteinbau fertig da. Die
Kirche besitzt fünf Gewölbejoche, der Chor ist zweijochig und in Lz geschlossen. Die Emporen und Gewölbe des Lang-
hauses sind modern. Dem Unglück von 1553 erlag sie nicht völlig. Doch verlor sie ihren Turmhelm, Dach und Ge-
wölbe wurden vernichtet. Das Innere brannte aus. Von den acht Altären und der sonstigen glänzenden Ausstattung,
die sie im Mittelalter besessen, war freilich schon damals nichts mehr übrig. Markgraf Christian nahm sich um die
Herstellung der Kirche an. Statt des steinernen Gewölbes erhielt sie ein hölzernes. Der Markgraf stiftete auch einen
in Formen reicher Spätrenaissance geschnitzten Altar, das Werk der Bildhauer Johann Brinkh und Georg Schleedorn,
sowie des Malers Friedrich Schund. Am Sockel ließ Christian ein Relief mit seinem eigenen Bildnis anbringen. Bei
der 1877—1878 durch den Baurat Frank (f 1879) aus Bayreuth in purgierendem Sinne durchgeführten Herstellung
der Kirche bedurfte es energischen Widerstandes der Kirchengemeinde, um den schönen Altar vor der Zerstörung
und dem Ersatz durch einen neugotischen zu retten. Auch die vier Alabasterreliefs des alten Taussteines (1647) mit
Szenen aus dem Leben Christi (vielleicht von dem Bamberger Bildhauer Hans Werner, von dem auch Werke in
der Kirche von Ahorn, in St. Michael zu Bamberg, in der Stadtkirche zu Bayreuth, in St. Martin zu Forchheim
und in andern fränkischen Orten existieren) gelang es zu erhalten. Auch die Glasgemälde aus der Mitte des 16. Jahr-
hunderts sind nicht völlig zugrunde gegangen. Unter dem Altäre befindet sich die Gruft, in der einige Kinder des Mark-
grafen von Ansbach und Bayreuth, ferner Mitglieder verschiedener Adelsfamilien, sowie eine Anzahl bedeutender geist-
licher und weltlicher Persönlichkeiten beigesetzt sind. Eine tüchtige bildhauerische Leistung ist der Grabstein des Georg Wolf
von Lainack (17. Jahrhundert). (Vgl. auch W. A. Laynitz, Inschriften verschiedener Grabmäler in der St. Petrikirche zu
Knlmbach. Archiv für Geschichte von Oberfranken 26. — G. Fr. Schmidt, Die Fürstengruft der Hohenzollern zu Kulmbach.
Kulmbach 1877.) Der Eindruck des schmal aus der Westfront heraustretenden viereckigen Turmes mit seinen Maßwerk-
friesen und dem spitzen Helm leidet durch die Höhe des Kirchendaches. Das Pfarrhaus von St. Peter ist 1730 erbaut.
- Das zum Finanzamte gewordene ehemalige Zisterzienserkloster ist ein monumentaler dreigeschossiger Barockban
(1694) mit Flächen- und Eckquaderung, kräftiger Horizontalgliederung durch schmale Gesimse. Der Giebel ist drei-
geschossig, die Fenster der Hauptfront begiebelt. Das Gebäude besitzt zwei Tore von besonders schöner Ausbildung.
— Im alten Friedhofe steht die Nikolaikapelle, ein einfacher Bail mit Dachreiter oberhalb einer niedrigen Glocken-
haube. Interessant sind einige Grabsteine des 17. und 18. Jahrhunderts. — Die Spitalkirche ist ein feiner Barock-
bau tun: 1738; Architekt war wohl der Hosbandirektor Fr. Grael. Mit ihrem Turm, der oben in ein Achteck über-
geht und mit reich gegliedertem Glockenhelme bedeckt ist, beherrscht sie das Straßenbild. -— Das ehemalige mark-
gräfliche Amts- und Kanzleigebäude wurde 1562 durch Markgraf Georg Friedrich errichtet: Architekt war Kaspar
Bischer. Am Erker befindet sich eine von Greifen gehaltene Kartusche mit dem Titel und Wappen des Erbauers.
Teilweise umgebaut wurde das Haus 1662—1665 durch den fürstlichen Baumeister Andreas Schweute. — Gegen-
über dem Kanzleigebäude befindet sich das „Prinzessinnenhaus", das 1727—1749 der verbannten Prinzessin Christiane
Sophie Wilhelmine gehörte. (Vgl. Hans Eker, Das Prinzessinnenhaus in Kulmbach. „Frankenland", 6.—7. Jahr-
gang 1919/20, 54ff.) Der einst zu ihrer Sommerwohnung gehörige Park ist nicht mehr vorhanden. — Das auf dem
quadratischen Markte stehende Rathaus ist Nachfolger eines mittelalterlichen, dessen Untergeschoß nach typischer
Art zu Handelszweckeu diente. Das spätere Rathaus erfuhr 1673 eine Herstellung, bei der auch Jnnenräume mit
Deckengemälden geschmückt wurden. 1751 wurde das Obergeschoß abgetragen und durch ein neues ersetzt. So wie
das Kulmbacher Rathaus seitdem dasteht, paßt es sich in seinen Verhältnissen aufs feinste dem Platze an. Klein,
selbstbewußt und doch traulich beherrscht es ihn, ohne das Raumbild zu drücken. Es besitzt ein Unter- und ein Ober-
geschoß, beide mit drei Fensternchsen. Das Portal ist von zwei Paaren gekuppelter Säulen flankiert, die einen Balkon
tragen. Der so ausgezeichnete Mittelteil der Front setzt sich in das Dachgeschoß hinauf fort und endet im Dachreiter
mit Laterne und hübsch gezeichneter Haube. Figuren vermitteln den Übergang zu ihm. Die geschwungene Dach-
loading ...