Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

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Durch diese führt uns unser Weg über das benachbarte Cordel und das Tütchen des hier in die Kyll einmünden-
den Welschbilliger Baches nach Welsch billigt). Heute ein Dorf, hat der Ort einst Stadtrecht genossen. Zur Stadt
aber war er geworden durch die Burg, welche hier die Trierer Erzbischöfe errichtet hatten. Schon um 1220 er-
scheint Pilliche (Welschbillig) unter den 7 Landesburgen Triers; als ständige Besatzung werden damals genannt
4 Turmknechte, 2 Wächter und 1 Pförtner. Um den Bau der Burg haben sich wie in Pfalzel Erzbischof Arnold II.
und Heinrich von Finstingen verdient gemacht, und wahrscheinlich ist Erzbischof Johann II. von Baden, der uns eben-
falls in Pfalzel als Förderer der dortigen Burg begegnet, der Erbauer des stattlichen Torgebäudes der Burg, das als
einziger ansehnlicher Rest dieser erhalten ist. Trotz dieser weitgehenden Zerstörung läßt sich die Anlage der Burg noch
heute deutlich als die einer Wasserburg erkennen. Unterstützung finden wir bei diesem Bemühen einer Rekonstruk-
tion durch die Erhaltung eines Kartenplanes von Welschbillig aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, der uns auch
die heute nur zum Teil erhaltene Stadtmauer in ihrer ganzen Ausdehnung zeigt. Wie in Pfalzel sind auch in Welsch-
billig die Grundmauern der Burg in alten und ältesten Kulturboden eingebettet worden. Als das Trierer Provin-
zialmuseum in den Jahren 1891/92 auf Grund von Funden, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts gemacht worden
waren, an dieser Stelle methodische Nachgrabungen anstellte, da wurde hier der Standort einer römischen Villa fest-
gestellt und ermittelt, daß der Burgbau eine zu dieser Villa, welche mit den Villen Campaniens wetteifern konnte,
gehörige Anlage zerstört hatte, die man mit Recht „das Wunderwerk der Eifel" genannt hat. Diese Anlage war ein
rechteckiges Bassin von 58,30 in Länge und 17,80 in Breite, welches dem reichen Welschbilliger Gutsbesitzer zum
Rudersport diente (piseiaa imviAadilis). Auf dem die Anlage einfassenden Geländer aber standen rund 100 Hermen,
welche in buntem Durcheinander das ganze Völkergemisch zeigten, welches die Unterwerfung des Treverervolkes auf
deren Boden heimisch gemacht hatte, Kelten, Römer, Asiaten und eine größere Zahl von Germanen. Abgesehen
von einigen Jdealtypen sind die Darstellungen Porträts, deren Originale wohl z. T. zu den Colonen des Ritterguts-
besitzers gehörten^).
Als sich an diesen Germanen die Kunst versuchte, da mögen diese noch nicht geahnt haben, daß ihre Stammes-
genossen dereinst an der Stelle, wo sie dienten, herrschen und der Gegend das Gepräge ihres Geistes aufdrücken sollten.
Ein Stück dieses Gepräges ist die Freude an der Wehrhaftigkeit, wie sie uns auf unserer kleinen Burgenfahrt in herz-
erhebender Weise entgegengetreten ist. Auch Trier hat seine deutschen Burgen, man muß sie nur zu finden wissen.

Die Genovevaburg zu Mayen.
Dr. Borchmeyer, Mayen. Erbaut in alten Tagen
Der Stadt und den Landen zum Schutz,
Du Hüterin frommer Sagen,
Steh stolz, den Zeiten zum Trutz!
o steht es im Burghof über dem Haupteingang der Genovevaburg von der Stadtseite her. In der
Stadt Mayen, an der Grenze des Erzbistums Trier gegen Kurköln, wurde die Genovevaburg im
Jahre 1280 als Sicherung seiner Besitzungen vom Trierer Erzbischof Heinrich von Vinstingen erbaut.
(Bauzeit 1280—1317.) Den Namen trägt sie nach der Pfalzgräfin Genoveva, deren fromme Sage n. a.
mit der Mayener Burg eng verwachsen ist.
Einen wehrhaften, wenn auch etwas düsteren Eindruck macht die Burg auf den Beobachter von Süden und
Südwest. Hoch ragt sie, aufgebaut unmittelbar auf dem anstehenden Felsen, über die ganze Gegend und beherrscht
vor allem die Stadt Mayen, von deren Befestigungsanlagen sie der wichtigste Teil war. Über eine 11 Meter hohe,
massive Brücke, die über den tiefen Wallgraben im Süden führt, gelangt man an den 30 Meter hohen, wuchtigen
Bergfried, den Goloturm. Leider wird hier der Gesamteindruck durch einige dem Bergfried Vorgesetzte Gebäude
gestört. Der Bergfried, der seinen Helm bei einem Brande verloren hat, ist einer der heute noch erhaltenen vier
Türme, die an den Ecken der Genovevaburg errichtet waren, deren Grundriß ursprünglich trapezförmig, beinahe qua-
dratisch war. Auch heute noch verbinden mächtige Mauern mit erneuerten Wehrgängen die vier Türme miteinander.
Nach der Stadtseite hin hat die Burg den mittelalterlichen Bnrgcharakter verloren. Durch sinnlose Wut der
Franzosen 1689, durch einen Brand im Jahre 1902 wurden Teile der Burg zerstört. An deren Stelle ist heute
ein Bauwerk getreten, das zwar nach außer: hin dem alten Burgstile nicht ganz gerecht wird, aber um so freund-
licher wirkt und den oberen, den eigentlichen Burghof stimmungsvoll umrahmt.
Von der Stadtseite her kommt man auf breitem, langsam ansteigendem Wege durch das oben erwähnte
mächtige Tor, das das in Sandstein gehauene, künstlerisch ausgeflihrte Wappen des Erbauers Hugo von Orsbeck trägt,
in den durch einen Ziergarten verschönten unteren Burghof. Dessen Abschluß bildet ein Flügel der Burg, den der
Kurfürst Hugo von Orsbeck nach der Zerstörung durch die Franzosen in: Jahre 1707 erbaut hat. Der jetzige Burg-
herr hat diesen Flügel der Stadt Mayen überwiesen, die hier das wertvolle Eifelvereinsmuseum nntergebracht
hat. Durch eine bequeme Freitreppe erreicht man von hier aus den oberen Burghof.
0 Steinhaufen, I., Zur Vor- und Frühgeschichte Welschbiltigs (Trierer Heimntbuch 1925, Seite 307).
2) Rekonstruktion der Anlage in kleinerem Maßstabe in: Provinzialmnseuin zu Trier.
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