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Dehio, Georg; Bezold, Gustav von
Die kirchliche Baukunst des Abendlandes (Band 1) — Stuttgart, 1892

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https://doi.org/10.11588/diglit.11368#0380
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Achtes Kapitel.

Hallenkirchen mit Tonnengewölbe.

i. Eingeschossige Anlagen.

Die beiden vorigen Kapitel haben dargethan, in welchem
Umfange im Süden und Westen von Frankreich einschiffige Pläne
verbreitet waren, ja man darf alles in allem wohl sagen, dass der
besondere Baugeist dieser Gegenden in dieser Grundform sich am
eigentümlichsten und grössten zeigte. Freilich waren ihr lange Zeit,
was die Grössenverhältnisse betrifft, gewisse nicht zu übersteigende
Schranken gesetzt. Erst die vervollkommnete Wölbekunst des ^.Jahr-
hunderts vermochte, und zwar nur selten noch mit der alten Form
des Tonnengewölbes, in der Regel erst mit Hilfe der Kuppel und
des Kreuzgewölbes, wahre Grossräumigkeit zu erreichen. Die ältere
Zeit hingegen griff da, wo sie Kirchen von grösserer Grundfläche
nötig hatte, zur Zusammensetzung der Decke aus mehreren parallelen
Tonnengewölben. Die Römerbauten des Landes gaben das Vorbild
dazu. Neu und fruchtbar war aber der Gedanke, dieses Deckensystem
mit dem ererbten Grundriss der Basilika und der Raumteilung durch
Freistützen in Verbindung zu setzen.

Die ältesten erhaltenen Beispiele, noch aus dem 10. Jahrhundert,
gehören dem Rhonethal an. Bald verbreitete sich die Form über die
Küstenlandschaften des Mittelmeeres und bis nach Spanien. Im Westen
ist sie nicht lange nach a. iooo sicher bekannt gewesen.

Die Hallenkirche hat unter allen Gattungen des französisch-
romanischen Gewölbebaus die grösste Zahl von Individuen hervor-
gebracht, wie auch die grösste räumliche Verbreitung gefunden. Dank
 
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