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Dehio, Georg; Bezold, Gustav von
Die kirchliche Baukunst des Abendlandes (Band 1) — Stuttgart, 1892

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https://doi.org/10.11588/diglit.11368#0580
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Fünfzehntes Kapitel.

Der Aussenbau.

i. Gruppierung der Baumassen.

Der Moment, in dem der romanische Stil als ein eigener, von
einem neuen Geiste ergriffener aus dem christlich-antiken hervortritt,
macht sich in nichts so fühlbar, wie in dem veränderten Verhalten
des Aussenbaus, in der machtvoll sich erhebenden Freude an der
schönen und gewichtigen Behandlung gerade dieser Seite der Gesamt-
erscheinung. Mit einseitigem Nachdruck Aussenbau war der griechische
Tempel, mit ebenso einseitigem Nachdruck Innenbau die frühchrist-
liche Basilika gewesen: die romanische Kunst erstrebte Gleichgewicht
beider Seiten des Bauwerks. Und man muss ihr zugestehen, dass
sie dies vollkommener erreicht hat, als nach ihr sowohl die Gotik —
in der das allein vom Innenbau geforderte Strebewerk die äussere Er-
scheinung überwuchert, als auch die Renaissance — deren Gestaltungs-
vermögen im Kirchenbau über die Fassade selten hinauskommt.

Von vornherein ist der Unterschied der Umgebung von Be-
deutung: in der frühchristlichen Epoche der massgebende Sitz des
Bauwesens volkreiche Städte, in deren Häusermassen die allmählich
hinzukommenden Kirchen sich einzuschieben haben; in der roma-
nischen Kunst nördlich der Alpen anfangs Städte kaum vorhanden,
die einsam liegenden Klosterkirchen die tonangebenden. Das Ent-
scheidende aber ist doch der innere Umschwung, der frohere Sinn,
das jugendlichere Lebensgefühl der nunmehr die Führung habenden
Völker. Eine Epoche, in der das »orbis ruit<, das vorwaltende Gefühl
gewesen war, hatte ihren Bauwerken monumentalen Geist nicht ein-
flössen können. Erst Karl der Grosse, indem er die Volkskraft der
 
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