Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 19.1874

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(Redaction und Expedition der Bioskuren: Villa Schasler bei Wilmersdorf, Berlin.)

Inhalt.

Korrespondenzen: H. K. Wien, Anfang November. (Ausstellung im österr. Linijl-LliroM: Lokalnachrichten aus Leipzig.

Kunstverein.) -■ R. München, Anfang November. (Lokalausstellung Lnnstkritik: Die akademische Kunstausstellung in Berlin. (Forts.) V. Literarisches

geschlossen; Kunstzustände; Architektur rc. Schluß.) — F. L. München, Genre. Salongemälde. Kabinetsstücke. (Forts.)

Mitte November. (Ausstellung im Kunstverein.) — d Düsseldorf, Aiinjlilidiijlric und Techiitti: Aus der berliner Bauausstellung. (Forts.)
im November. (Von den permanenten Ausstellungen.) LinijUttcratur und Ällumi: Die vier Evangelien rc. (Schluß.)

Korrespondenzen.

ien, Ans. Novbr. (Ausstellung im öster-
reichischen Kunstverein.) Das religiöse
Thema ist durch eine „Kreuzabnahme" von
Lazerges und zwei Gemälde von der Hand
der Freifrau v. Oer vertreten. Die „Kreuz-
abnahme" spricht für eine große Formgewandt-
heit und Leichtigkeit der Bewegung in der Zeich-
, ein richtiges Biaaß und eine tiefe Empfin-
im Kolorit. „Mater dolorosa" und „Ecce
Homo" von Oer sind zu schablonenhaft gearbeitet,
als daß man an ihnen eine Stimmung bemerken
könnte. Auch wäre es in ihrem Bortheile gelegen, wenn Christus
und die Mutter historischer dargestellt worden wären, d. h. die
Herzen an den Brustfalten der Kleider hätten wegbleiben können.
Dies ist nicht Poesie, dies ist ein grob sinnlicher Kunstgriff. Auf
eine solche Weise läßt sich wohl schwerlich eine Regenerirung der
kirchlichen Kunst erwarten. Nicht weniger unglücklich findet sich die
Musik in einem Aquarell von M. Stohl allegorisirt. Den Schmerz
des inneren Drängens und Schaffens durch ein krampfhaft verzerrtes
Gesicht wiederzugeben, ist höchstens eine allegorische Jronisirung, nie
über eine allegorische Darstellung der Kunst, der Musik. Grund's
„Amorettenmahl" ist von rein äußerlicher Behandlung. Diese ist
allerdings recht keck und frisch, aber eben darum dem Gegenstände
nicht entsprechend. Es ist derselbe zwar eine heitere Allegorie des
Liebelebens, aber immerhin der Wirklichkeit entrückt) und in diesem

Falle darf die Farbe nicht allzu realistisch aufgetragen werden. Das
versteht Frau Elisabeth Baumann-Jericho sehr gut. Jhre„Meeres-
nymphe" hätte nicht mythischer ausgedacht werden können. Eine
weibliche Figur, starr, ernst, streng, von einer undefinirbaren Körper-
farbe, welche eine große Wirkung thut und nach unserer Meinung
eine noch viel größere hervorgebracht hätte, wenn sie etwas leichter
aufgetragen worden wäre; so macht sie ein wenig den Eindruck des
Schwerfälligen. — Bon F. Willems finden wir ein historisches Ge-
mälde vor: „Graf Egmont". Der Künstler wählte den Moment,
wo sein Held mit dem Secretair den wohlwollenden Brief des
Grafen Oliva durchnimmt. Schon die Wahl dieses Momentes
setzt.eine nüchterne Behandlung voraus, der es jedoch an poetischen
Lichtpunkten fehlt. In den Zügen Egmont's liest man mehr wilden
Trotz als ein ideales Streben; seine aufgerichtete feste Stellung
spricht von seiner Entschlossenheit. Der sitzende Secretair sieht recht
sorglich den Herrn an und mahnt uns an den traurigen Ausgang
des Unternehmens. Um so wirkungsvoller fällt von oben freund-
liches Sonnenlicht auf die düstere Gruppe und deutet, mit den
Thatsachen uns versöhnend, auf den Sieg der moralischen Person
Egmont und seiner Sache hin. Die Farbe ist ernst aber naturge-
treu behandelt.

Streng und doch fließend in seinem Zusammenhänge wie eine
Canzone des großen Dichters ist T. Schurig's „Petrarka und Laura".
Es herrscht in dem Bilde ein feierlicher Rythmus, der unsere Stim-
mung nicht unberührt läßt. Laura kniet in der Kirche der heiligen
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