Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 19.1874

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Preis des Journals pro Quartal IV, Thlr. — Kreuzband-Abonnements werden nur bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang angenommen.
(Redaction und Expedition der Dioskuren: Villa Schasler bei Wilmersdorf, Berlin.)

Inhalt.

Abhandlung: Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. Lnnjt-Lhronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Braunschweig, Dresden, Düsscl-
XCIX. Johannes Schilling. darf, Straßburg, Bergen, Helsingfors, Paris, Livorno, Florenz, Rom,

Larrkspondcuzen: U. I<-Wien, Ans. April. (Ausstellung im Künstlerhause.)— Neapel, Konstantinopel, Troja, Philadelphia.

-n>- Prag, Ans. April. (Aus der permanenten Ausstellung von Nicolaus Liinltiiidnstrie und Technik: lieber Kunstverglasung der Profanbauten. (Forts.)
Lehmann.) — ^Düsseldorf, 7. April. (Aus den permanenten Aus- Äiisjkcllnngskalcndcr.
stellungen.) — f Rom, 29. März.

Studien zur Kharakteristik bedeutender Künstler der Hegenwart.

XCIX. Johannes Schilling.

Von

Gottfried Waldstedt.

ohannes Schilling wurde am 23. Juni 1828
in Mitweida im Königreich Sachsen geboren,
woselbst sein Vater, der älteste Sohn des,
namentlich ans naturgeschichtlichem Gebiete, be-
kannten Schriftstellers Gustav Schilling, einem
kaufmännischen Geschäfte Vorstand. Noch wäh-
rend der frühesten Kindheit nnsers Künstlers
siedelten seine Eltern nach der sächsischen Haupt-
stadt über, so daß er schon seine Kinderzeit in
Dresden verlebte. Im 15. Lebensjahre wurde er in die könig-
liche Kunstakademie daselbst ausgenommen und kam 1825 in das
Atelier des berühmten Meisters Prof. Rietschel, unter dessen
Leitung er bis zum Jahre 1850 den eifrigsten Studien oblag.
Hier arbeitete er zuletzt eine kleine Gruppe „Amor und Psyche",
welche später in Bronze ansgeführt wurde.

Im Anfang der fünfziger Jahre ging er nach Berlin, um
in dem Aktsaal der dortigen Akademie lind in dem Atelier des
^rof. Drake zu studiren. Doch kehrt er bald wieder nach Dres-
den zurück, um in das Atelier des Prof. Hähnel einzutreten.

Er unterstützte den geschätzten Meister theils bei dessen Werken,
thcils versuchte er sich in selbstständigen Arbeiten, namentlich
rühren aus dieser Zeit zwei Medaillons: „Jupiter" und „Venus"
von ihm her, auf welche hin dem jungen Künstler später von
der dresdener Akademie ein Reisestipendium ertheilt wurde.

Die Studienreise trat er zu Ostern 1854 an, und zwar
nach Italien, wo er bis Ostern 1856 glückliche und schöne Tage
verlebte, welche sowohl für seine künstlerische Anschauung wie
für sein künstlerisches späteres Schaffen nicht ohne nachhaltige
Wirkung geblieben sind. In Rom, wo sich Schilling zumeist
aufhielt, hatte er das Glück, mit dem großen Peter v. Cornelius
persönlich bekannt zu werden.

Als die heitere Wander- und segensreiche Studienzeit vor-
über war, kehrte er nach dem schönen Elbslorenz zurück, die
Seele noch erfiillt von dem Zauber des herrlichen Italien und
den Kunstwerken, welche dort in blendender Fülle sich dem über-
raschten Blicke darbieten. Kurz nach seiner Rückkehr in die Hei-
math, 1856, gründete er sein eigenes Atelier und durch Ver-
heirathung, 1857, auch einen eigenen Heerd. Junge strebende
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