Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 19.1874

Page: 385
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(Kedaction und Expedition der Dioskuren: Villa Schasler bei Wilmersdorf, Berlin.)

Inhalt.

Abhandlung -. Beiträge zur baulichen Entwicklung Berlins. Fortnny 7; das Lehrfach am Institut der schönen Künste u. s. f. —

lSarrrspondenM: W. München, Mitte Deccmber. (Historienmaler Bernhard f Sevilla, im December. (Mnrillo's „Heiliger Antonius von Padua".

Endrcs und Bildhauer Maximilian Puilli ß: Bodcnmilller; Pinako- Liinsi-Thronil!: Lvkal-Nuchrichten aus Berlin, Bonn, Straßbnrg, Darmstadt,

Elastik.) — El. ir. Wien, Mitte December. (Permanente Ausstellung München, Rom, New-Pork.

Im Künstlerhause. Schluß.) — □ N 0m, den 2. December. (Mariano fimi(tiniiii|lric und Technik: Aus der berliner Bauausstelluug. (Schluß.)

Beiträge zur öaulichen Lntwickluug Berlins.

II. Die Central- sLeiith-) StinHc mit SMelinarkt.

Eingangs unserer ersten Betrachtung über die bau-
liche Entwicklung Berlins*) bemerkten wir, daß
dieser Ausdruck „bauliche Entwicklung", wenn
er ans eine große Stadt angewandt wird, ver-
schiedener Deutung unterliegen könne, je nach-
dem man^'dabei mehr das bauliche oder das
städtische Element betont; mit andern Worten:
es kann sich dabei entweder um einen Fort-
schritt in der städtischen Architektur oder
um einen solchen in der architektonischen Orts-
gestaltung handeln. Der Unterschied ist —■
wenigstens für eine kritische Betrachtung des Gegenstandes —
nicht unwesentlich; denn während es sich ersten Falls hauptsäch-
lich um Stylsragen und um die Charakteristik der specifischen
Richtung der in dieser Stadt begründeten Architektenschule und
in zweiter Linie erst um die Frage, welchen Einfluß dieselbe auf
die bauliche Umgestaltung der örtlich gegebenen Verhältnisse
handelt, richtet sich im zweiten Fall die Frage zunächst ans

*) In Nr. 39 b.

den letzteren Punkt, weiterhin dann erst auf den andern Faktor
solcher Umgestaltung, nämlich auf die eigenthümliche Stylrichtnng
der örtlichen Architektenschule. Der erste Gesichtspunkt enthält
vornehmlich eine künstlerische, der zweite eine konnnnnale Ten-
denz, ohne daß jedoch das eine vom andern Element getrennt
wäre. Man kann den Gegensatz auch als theoretischen und
praktischen Standpunkt unterscheiden.

In dem ersten, oben angezogenen Beitrag haben wir nun,
des Gegenstandes halber, da es sich um ein einzelnes und ohne-
hin privates Bauwerk — das Wohnhaus von Herrn v. Tiele-
Winckler in der Regentenstraße — handelte, den ersten Stand-
punkt einnehmen müssen, bei unsrer heutigen Betrachtung da-
gegen tritt der zweite in den Vordergrund. Wir werden da-
bei nicht vermeiden können, auch auf die hiesigen, für die bau-
liche Entwicklung mehrfach ungünstigen kommunalen Verhältnisse
einzugehen, da es auf der Hand liegt, daß für eine den heutigen
sehr gesteigerten, sowohl praktischen wie künstlerischen Bedürf-
nissen einigermaaßen entsprechende architektonische Umgestaltung
einer großen Stadt, wie Berlin, selbst wo alle künstlerischen
Vorbedingungen (und daran fehlt es bei uns wahrlich nicht)
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