Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 19.1874

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(Redaction und Expedition der Dioskuren: Villa Schasler bei Wilmersdorf, Berlin.)

Inhalt.

Lorrtspoii-tiiM: ^/Düsseldorf, Ende Mürz. (Aus den permanenten Aus- Lunjl-Lhronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Stralsund, Königsberg, Prag,
stcllungen.) — K. München, 28. März. (Ausstellung im Kunst- München, Straßburg, Antwerpen.

Verein.) — □ München, 22. März. (Aus dem Kunstverein.) — Liinjikritik: Kunst und Kunstindustrie in der Weltausstellung. (Forts.)

□ Neapel, Mitte März. (Kunstausstellungs-Aussichten.) Lmistiiidiisiric und Technik: Ueber Kunstverglasung der Prosanbauten. (Forts.)

Korrespondenzen.

nffeldorf, Ende März. (Aus den perma-
nenten Ausstellungen.) R. Jordan, ein
Altmeister der düsseldorfer Schule, welcher mit
seinen ersten Bildern nicht wenig zur Popula-
rität derselben beigetragen hat, giebt uns heute
den Beweis, daß die Zunahme der Jahre nicht
die Abnahme der künstlerischen Produktivität be-
dingt. Sein neuestes Werk „Das Begräbniß
des alten Seemanns" kann sich neben denen,
welche er in rüstiger Jugendkraft schuf, be-
haupten.

Wir sind in einem holländischen Fischer-
hause, von dessen Wohlstand das schon ge-
deckte Ehebett, der mattenbelegte Fußboden und alles Geräth umher
Zeugniß ablegen. Die jetzt vereinsamte Herrin sitzt am Sarge des
Gatten, der auf einer schwarzumhangenen Bahre aufgestellt und von
Kerzen umgeben ist. Ueber denselben beugt sich eine junge Frau,
welche mit ihren beiden Kindern als Leidtragende gekommen ist,
tröstend zu der Alten herab. Während der Knabe harmlos zwei
Kränze hinreicht, blickt das Mädchen mit ihren großen, glänzenden
Angen der Wittwe starr und forschend in's Gesicht, als wolle sie
dort das Räthselwort herauslesen für eine dem kindlichen Gemüth
unfaßbare Trauerscene. Im Mittelgründe steht der Sohn des
verstorbenen, auf welchen sich der Zug der Leidtragenden, an der

Spitze der alte Hausfreund, der die Hände des jüngeren Mannes
faßt, durch die offene Thür zu bewegt; einige der Geladenen zeigen
sich tief gerührt, Andere ruhiger, ja gleichgültig, gerade wie es bei
derartigen Gelegenheiten zuzugehen pflegt. Im Vordergründe links,
richten zwei Mädchen das sogenannte Reuemahl für die Gäste an,
ein interessanter Kontrast blühenden Lebens gegen die trauernden
Hauptgruppen, vom Künstler aber wohlweislich im Dämmerlicht
gehalten.

Eine Lebensfrage für ein Bild ist es, daß die Hauptfigur, aus
welcher die ganze Idee eigentlich beruht, auch wirklich als solche er-
scheine, daß in ihr die Kraft des Künstlers gipfele; dies ist hier
der Fall. Die Wittwe zieht sogleich die volle Theilnahme auf sich.
Haltung und Ausdruck sind einfach und darum gerade ergreifend,
besonders rührend die Bewegung der rechten Hand, welche auf dem
Sarge liegt, gleichsam als wolle die treue Greisin noch ihr Recht
auf die theuere Leiche behaupten, als wolle sie sagen, der da drinnen
ist mein und soll es ewig bleiben. Die volle Ausdruckskraft des
Künstlers, welche sich in der Hauptfigur, in der jungen, tröstenden
Frau und vielen andern Köpfen bewährt, erscheint uns nur etwas
bei dem Sohne erlahmt. Die Farbenwirkung ist ernst wie es dem
Gegenstand geziemt, ohne trübe zu werden.

Ein gutes Bild von Lork giebt uns auf's Neue Gelegenheit,
der skandinavischen Kolonie in unserer Stadt ehrend zu gedenken.
Glückliche Jäger kehren mit ihrer Beute, einem großen Elennthier,
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