Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 19.1874

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(Redaction und Expedition der Dioskuren: Villa Schasler bei Wilmersdorf, Berlin.)

Inhalt.

Abhandlung: Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. Lnnst-ChroM: Lokalnachrichten aus Berlin, Braunschweig, Düsseldorf, Mün-
XCVIII. Carl Wilhelm Schurig. chen, Ischl, Florenz, Rom.

Lorrcspo»de»;cil: Düsseldorf, Ende März. (Permanente Ausstellung von Liinjlkritik: Kunst und Kunstindustrie in der Weltausstellung. (Forts.)

Schulte.)— )( Florenz, Mitte März. (Ausgrabungen.) — 6. Rom, ünnhininistric und Technik: Ueber Kunstverglasung der Profanbauten. (Forts.)
Ende März. (Ausgrabungen.) Ällgcniclnes Äusjlclinngs-prograinm der millelcnroPnischrn Lnnjl-Verrine.

Studien zur Eharakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart.

XCVIII. Carl Wilhelm Schurig.

(Nekrolog.)

überhaupt geliefert hat. Schurig wäre wohl gern dem in ihm
wohnenden Drange gefolgt, sich in der Historienmalerei weiter
auszubilden und hervorzuthun; allein die Sorge für Haus und
Familie, denen er stets die treueste Stütze blieb, veranlaßte ihn,
in erfolgreicherem Erwerbe seine künstlerische Kraft zu verwerthen.
So betrat er die Bahn, auf welcher er in der Folge vielseitig
wirksam war und eine hohe Meisterschaft erreichte; er widmete
sich der Reproduction älterer klassischer Meisterwerke der Ma-
lerei durch Kreidezeichnung; anfänglich zur Unterbreitung für
den Kupferstich, später für die Photographie. Auf diesem Ge-
biete leistete er in geistreicher, korrekter und harmonischer Wieder-
gabe Vortreffliches; wir erwähnen hier seine Zeichnungen nach
Raphael („Sixtina" und „Heilige Cäcilie"), Holbein's „Ma-
donna", Tizian's „Zinsgroschen", Paul Veronese's „Anbetung
der Könige", sowie viele Zeichnungen nach Correggio, Ribera,
Rubens, Rembrandt, van Dyk u. s. f. Während einer zwanzig-
jährigen Thätigkeit an der hiesigen Kunstakademie erwarb er sich
als pflichttreuer Lehrer Liebe und Anerkennung. Als ein Beweis
seiner zeichnerischen Lehrtüchtigkeit mag der Umstand dienen, daß

m 10. März starb in Dresden Professor

Carl Wilhelm Schurig; es ist durch

^den Tod dieses Mannes wiederum eine
: fühlbare Lücke in den Reihen der hiesigen
Künstlerschaft entstanden. C. W. Schurig
%jj wurde am 17. December 1818 in Leipzig
Jgl geboren und zeigte schon frühzeitig eine be-
V deutende Begabung für die bildende Kunst.

. Die erste Pflege dieses Talentes empfing
er auf der Akademie seiner Vaterstadt;
Ende der dreißiger Jahre wurde er Zög-
ling der dresdener Akademie und später
Schüler im Atelier des Prof. Bendemann. In dieser Stellung
erwarb er sich im Jahre 1845 das Reisestipendium; er ging nach
Italien und blieb daselbst bis zum Jahre 1848. Nach seiner
Heimkehr in's Vaterland verheirathete er sich bald. Um diese
Zeit soll seine „Judenverfolgung in Worms" entstanden sein, die
sich im Besitze der hiesigen Gallcrie befindet. Dies Werk ist
eins der hauptsächlichsten von den wenigen Oelgemälden, die er

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