Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 2.1898

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Carl Meissner:


Majolika* Gefasse

THEO SCHMUZ-ÜAUDISS—MÜNCHEN.

MEISSENER PORZELLANE VQN NEUER ART.

\Ä/er hebt nicht altes Meissener Porzellan?
* * Wer empfindet nicht die starken
kunst- und kulturhistorischen Reize dieser
Kleinkunst, in der die künstlerische Empfin-
dungsweise einer längst vergangenen Zeit,
die Lebensformen unserer Voreltern, unserer
Urgrossväter in köstlicher Echtheit auf-
gefangen sind? Alle Wandlungen des Ro-
kokos lassen sich daran verfolgen. Solch'
Kenner- und Sammlervergnügen und den
alten Weltruf des alten Meissener Porzellans
also in allen Ehren!
Wenn nun aber noch bis heute alle
Jahre — lange Jahre nach der Zeit, in der
diese Formen »vollendet« waren, in der sie
ganz ausgefüllt waren von dem Gefühl der
Gegenwart, für die sie feinnervige Künstler-

hände gebildet — wenn nun immer wieder
in den leergewordenen Formen dieses ver-
flossenen Geschmacks neue Zierlichkeiten
von Meissen her zu Tage kamen, musste
dem Beobachter da nicht bange werden, wo
das hinaus, wie das zu gutem Ende kommen
solle? Zudem plagte ihn das Bedauern, so-
viel technische Meisterschaft an künstlerisch
Ewig-Gestrigem verschwendet zu sehen. Dem
plastisch Figuralen wurde zwar eine gewisse
— ganz äusserlich stoffliche — Modernität an-
gequält, doch das war ein Okulierversuch,
der misslingen musste. Auf Erdbeerstauden
lässt sich kein Zweig vom Apfelbaum
pfropfen. Neu pflügen und neu pflanzen
war's, was noththat. Denn beängstigend
enge wurde auch der Kreis von Figuren
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