Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 2.1898

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Secessions-Ausstellung in München 18Q8.

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auch alle anderen in
jeder Hinsicht um
Hauptes Länge über-
ragt. Wieder ein
Anlass zum Nach-
denken über Werth
und Nichtwerth des
nationalen Elementes
in der Kunst! —
Ueber die Deutschen
behalten wir uns ein
ausführlicheres Refe-
rat vor. Wir werden dasselbe
durch Reproduktion der hervor-
ragendsten Werke erläutern
können. Für heute sei nur noch,
um die »Kleinkunst« wenigstens
zu erschöpfen, auf zwei Arbeiten
von Franz Stuck hingewiesen.
Die eine, »Pallas Athene-» ge-
nannt, ist ein Plakat, ein aus-
gezeichnetes Plakat! Warum tritt
es mit den Praetentionen der
Tafelbilder auf? - Die andere
ist eine Statuette: -»Kämpfende
Amazone«. Hier sind mit emi-
nentem Kunstverstande und ver-
feinertem Geschmacke Elemente
aus den verschiedensten Stilarten:
Antike, Renaissance, Barock und
Rokoko zu einem Neuen vereint
und organisch belebt: ein ent-
zückendes Stück trotzdem! Damit
ist wiederum ein Beweis erbracht,
dass auch das thatsächlich Neue
auf einer Vergangenheit, auf einer
gesunden Entwickelung fussen
darf. Das wird ja ganz
besonders interessant
zu Tage treten, wenn
sich die je 3 Zimmer
der Künstler der
Ueberlieferung u. der
Künstler der neuesten
Bewegung öffnen.
Werden sich nicht
trotz des scheinbaren
Widerspruchs man-
cherlei Berührungs-
punkte finden ?! G. F.

* WIENER *
KUNSTBERICHT.
Moderne Kunst
in Wien! Wirklich
zeitgemässe inter-
nationale Kunst in
Wien! ? Klingt das
nicht wie ein Mär-
chen? Und doch ist
es keins mehr. Wir
haben es endlich
fertig gebracht, des neuen Geistes
einen Hauch zu verspüren, nach
langem, langem Winterschlaf.
Dieser Winter unseres Missver-
gnügens, ward er nun plötzlich
»glorreicher Sommer« ? Nein, das
noch nicht. Aber ein recht heiterer
Frühling ist immerhin eingezogen
in die alte Donaustadt, ein viel-
versprechender, mit obligater
oesterreichischer Verspätung aller-
dings eingetroffener, aber doch
nicht mehr wegzuleugnender, nicht
länger aufzuhaltender Frühling.
Die erste Ausstellung der »Ver-
einigung bildender Künstler
Oesterreichs« ist eine That, eine
energische, glücklich durch-
gesetzte That. Sie hat die Geister
des süssen Schlendrians endlich
ihrem Dauerschlaf heraus-
gerüttelt und geschüttelt, dass es
eine Lust ist. Und diese Wiener!
Man kennt sie kaum wieder. In
Scharen pilgern sie in die Aus-
stellungen und kaufen
» das Modernste «, kau-
fen sogar Khnopff,
den »Mystiker«, den
die Secessionisten
nach Wien gebracht
haben! Wer hätte
das gedacht? Nun,
die Wiener haben
eben jetzt auch »ihre
Secession« und wissen
Buch- Verzierung. hans Christiansen, sie — dieses Mädchen
Aus einer grösseren Gruppe Buchornamente. aus der Fremde —
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