Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 3.1898-1899

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HANS R. V. VOLKMANN—KARLSRUHE.

Stilisirte Landschaft (Casselburg, Eifel), Oelbild.

PIE KARLSRUHER RüNSTLER-LITHOGRAPHIEN.

T^Vie vervielfältigenden Künste erfreuen
^ sich in unseren Tagen bei der Künstler-
schaft einer steigenden Beliebtheit und einer
so eifrigen Pflege, wie man es in dem
Zeitalter der Photographic und der photo-
mechanischen Reproduktion noch vor wenigen
Jahren kaum für möglich gehalten hätte.
Allerdings die ehrsame Zunft der handwerk-
lich nachschaffenden Kupferstecher und Holz-
schneider ist dem Aussterben nahe, und
man wird ihrem Verluste ebensowenig eine
Thräne nachweinen, als den längst von der
Bildfläche verschwundenen reproduzirenden
Künstler-Lithographen. Nur einige wirklich
bedeutende Meister des Kupferstichs können
heute noch als reproduzirende Künstler sich
Beachtung erringen, indem sie da, wo die
chemischen und mechanischen Vervielfältig-
ungs-Methoden in der Wiedergabe des per-
sönlichen künstlerischen Hauchs eines Ori-
ginals die Dienste versagen, in feinfühliger
Nachempfindung dessen Reiz wiedergeben.
Sie sind heutzutage schon sehr selten ge-
worden. Um so zahlreicher sind jetzt die

Künstler, die ihre eigenen Erfindungen in
Kupferstich und Radirung, in Holzschnitt,
in Steindruck und Algraphie selbst ausführen
und vervielfältigen. Ich brauche keine her-
vorragende Namen zu nennen; jeder, der
die Kunst unserer Zeit nicht nur im flüchtigen
Durchwandern der Ausstellungen kennen zu
lernen sucht, kennt die führenden Meister
und die Strömungen, die an diesem oder
jenem Orte vorwiegen. Aber die Anzahl der
»graphischen« Künstler wird immer grösser
und die Fülle der täglich neu entstehenden
Originalwerke des Kunstdrucks beginnt schon
einen Umfang anzunehmen, der den Ueber-
blick über das wirklich Gute stark zu beein-
trächtigen droht.

Ein Gutes könnte diese zu neuem An-
sehen bei den Künstlern gelangte Produktion
noch mit sich bringen, wenn sie nämlich in
der Lage wäre, das Interesse an Werken
der Kunst in weitere Kreise zu tragen, mit
einem Worte, wenn sie die Kunst volks-
thümlich machen würde. Es gibt Leute, die
behaupten, die Kunst könne nie volksthüm-
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