Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 4.1899

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Germanischer Stil und deutsche Kunst.

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PROFESSOR AUGUSTO VARNESI.

Plakette in Bronze-Feinguss.

'Opferstätten und Heiligthümer waren
mit einem Zaun (Beda 1. c. I. 17) umschlossen
(aras et fana idolorum cum septis quibus
erant circumdata), und auch diese Sitte wurde
von der christlichen Kirche beibehalten: die
nordischen Stabkirchen waren, und sind es
theilweise noch, ebenso von der Aussenwelt
getrennt, und der von dem Plankenzaun
umhegte Raum galt — ebenfalls eine Erin-
nerung an's Heidenthum — als heilig, in
ihm ruhten die Waffen, hier fand die Ver-
folgte Zuflucht, der Todte die letzte Ruhe-
stätte (Schon im Heliand begegnet uns das
Wort Fridhof). Ja noch mehr, dieser heilige
Ring hat der »Kirche« den Namen gegeben
(Von dem Stamm kirk, lat. circus, der, wie
das althochd. umbikirk, ringsum, zeigt, auch
den germanischen Sprachen eigen war. —
Altnord, heisst der Zaun staf gardhr, im

Gutalag stafgartha) denn die Ableitung von
KopiottO], »Haus des Herrn«, ist eine jener
kindlichen Etymologien, deren Zeit glück-
licherweise hinter uns liegt. (Forts, folgt.)

ATELIER-NACfiRICtiTEN.

A UGUSTO VARNESI, der Schöpfer der
in diesem Hefte vorgeführten Plaketten,
ist geboren zu Rom 1866. Er erhielt seine
erste Ausbildung auf der Akademie St. Luca.
Im Jahre 1881 lernte er W. Wiedemann
kennen, der sich mit fast väterlicher Für-
sorge des strebsamen jungen Künstlers an-
nahm und ihn auch veranlasste 1882 mit
ihm nach München überzusiedeln. Varnesi
wurde Wiedemann's Schüler und Gehilfe und
verdankt seinem berühmten deutschen Lehrer
ausserordentlich viel. Er folgte diesem auch
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