Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 20.1907

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Die Zukunft des Kunstgewerblers.

PROFESSOR C. O. CZESCHKA—WIEN.

Holzschnitt »Herbst«.

lierung von Gewerbe und Leben aufgeben.
Sie wird das verjüngte Kunstgewerbe als
bessere Führerin sich erwählen.

Zunächst aber liegt's am Kunstgewerbler,
nicht dem traditionellen — einem früheren,
guten Anschauungen und der Praxis wider-
sprechenden — Vorurteil zu folgen und die
Akademie als alleinseligmachende Vollenderin
künstlerischer Berufsbildung anzusehen.

Das letzte Jahrhundert war eine Epoche
des akademischen Malers, dessen Samtjacke
schon die bewußte Absonderung vom Zwange
des werktätigen Lebens allegorisierte. An
der Maler-Akademie sind gerade im 19. Jahr-
hundert auffallend viel Künstler zugrunde ge-

gangen. Viele der besseren gingen der ein-
seitigmachenden Akademie aus dem Wege.

Unser Jahrhundert gehört dem Kunst-
gewerbler — endlich wieder. Das ist Hoff-
nung und große Erfüllung.

Der Kunstgewerbler lerne sich meistern
und seine Zeit.

Die moderne Schule aber für angewandte
Kunst bemühe sich aus scheinbar so freien
Kunstepochen — und doch ihren dem Leben
so praktisch dienenden Künstlern zu lernen.

Dann fällt vielleicht auch der Name der
Akademie und der der Kunstgewerbeschule
und ein Kunsttechnikum vereint alle Stre-
benden! —

JJR- E. W. BREDT.
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