Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 20.1907

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Metzners Denkmal-Enhvurf für ^Johann Strauß.

klma luksch-makowska— wien.

Relief und Keramik am Bürger-Theater in Wien.

METZNERS DENKMAL-ENTWURF FÜR
JOHANN STRAUSS. Zu dem Gebilde, das
uns so fremd anmutet, kam Mehner — auf seinem
Wege - mit Notwendigkeit. In dem Komplex
„Ein Denkmal für Johann Strauß" mußte er den
ersten Bestandteil „Ein Denkmal" mit dem fast
ausschließenden Nachdruck betonen, weil ihm das
der Begriff „Denkmal" zu fordern schien, beson-
ders heute, wo das Bewußtsein, daß das Denk-
mal vor allem andern ein „Mal", ein monumen-
tales, aus der Vergangenheit in die Zukunft
ragendes Zeichen sein soll, gänzlich verloren ist.
Wuchtige Monumentalität erstrebte also Mehner
zu allererst. Der monumentale Wille war in
ihm so stark, daß er sogar die Leiber der Tan-
zenden zu einem wuchtigen Klot3 zusammenballte,
zu einem Klotj, der dasteht wie ein Symbol des

tanzenden Volkes. Mehner liebt das Zierliche,
Leichte, Kleine nicht. Alles Gestalten führt bei
ihm zur kompakten Masse. Dadurch drängt er
aber, mehr als andere, unsere Aufmerksamkeit
auf das Plastische hin, während sie sonst sich
allzu gern an die Details und an Assoziationen
verliert. Mehner ist so sehr Plastiker, daß er
mehr Leiber als Menschen bildet. Die Tanzenden
in seinem Denkmal sind tanzende Leiber. Allein
— liegt nicht die dämonische Macht eines
Johann Strauß darin, daß seine Melodien am
Geiste vorbei durch die Adern rieseln, die
Glieder schwingen, den ganzen Leib ergreifen
wie eine unheimliche Naturkraft? Das Dämo-
nische witterte Mehner in Johann Strauß, das
Dämonische, auf das seine eigene Persönlichkeit
gerichtet ist. anton taumann.

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