Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 20.1907

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PROFESSOR HERMANN B1LL1NG.

Kunsthalle in Mannheim.

ZUR MANNHEIMER JUBILÄUMS-AUSSTELLUNG.

Das besondere Programm, das Ludwig Dill
der Ausgestaltung seiner Kunst-Aus-
stellung zu Grunde gelegt hatte, hieß: Das
Kunstwerk im Raum. Das bestimmte denn
auch die Art und den Grundgedanken, wie
die Raumkunst selbst vertreten sein sollte.
Der Nutzraum im engern Sinne: Schlafzimmer,
Speisezimmer und dergleichen, bei denen das
spezifisch künstlerische Moment in die zweite
Linie rückt, lag nicht in der Richtung des
künstlerischen Planes. Das Kunstwerk sollte
doch immer die Hauptsache bleiben und die
Grundnote des einzelnen Raums bestimmen.
Dieser Gesichtspunkt wurde denn auch im
allgemeinen von den Künstlern festgehalten,
die ihren Räumen am entschiedensten den
Charakter intim ausgestatteter Zimmer verliehen
haben. Auch hier herrscht eine gewisse
Stimmung des Festlichen, Repräsentativen vor.
So haben es z. B. Adalbert Niemayer und
Otto Prutscher gemacht und unter den
Nachzüglern Olbrich, mit dessen >Empfangs-

salon einer großen Dame« der Ausbau der
Ausstellung vollendet worden ist. Alle diese
Räume atmen den Geist eines feinen Mäce-
natentums. Dem eigentlichen Kunstwerk —
namentlich dem Bild —■ wird dabei freilich
von Olbrich der verhältnismäßig kleinste Platz
eingeräumt. Er geht am weitesten in der
Betonung des Möbels als Schmuck an sich.
Das bestimmt bei ihm auch die Wahl des
Materials, namentlich die ausgesprochene Vor-
liebe für das Kostbare (Perlmutterintarsien
und dergleichen). Auch ist Olbrich einer der
modernen Raumkünstler, die am entschiedensten
von der Farbe ausgehen: daß für ihn dabei
die natürliche Materialschönheit edler Stoffe
— feine Hölzer, Metall, Glas, kostbare
Wandbespannung usw. —■ ein besonders ge-
wichtiges Wort spricht, ist ein selbstver-
ständliches Postulat seines distiguierten Kultur-
geschmacks. Im Gegensatz zu der Beschrän-
kung der Bilder in dem Olbrich-Raum sind
die Zimmer von Prutscher und Niemayer

1907. XII. 1.

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