Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 32.1913

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WALTHER FÜTTNER MÜNCHEN.

»MASKEN« IM BESITZ DES KÜNSTLERS.

DAS ERWACHEN DES GEISTES.

Kubismus, Futurismus, Archaismus, Expres-
sionismus — fünf, sechs Jahre beträgt das
Alter dieser revolutionären Bewegungen. Ihr
Auftreten war begleitet von Staunen, Geläch-
ter und Ratlosigkeit. Aber jetzt schon ist der
Zeitpunkt eingetreten, da sich die Begriffe zu
klären beginnen. Der geistige Gehalt tritt
klarer hervor, hinter den revolutionären Zuk-
kungen, die anfangs von krankhafter Unwillkür-
lichkeit schienen, zeigt sich ein Sinn, ein Wille.

Der Buchstabe ist des Geistes Feind. Bleibt
man am Buchstaben der futuristischen Pro-
gramme, am Buchstaben der expressionistischen
Malereien kleben, so dringt man nicht zum
Sinne dieser Bewegungen vor. Es gilt dem
Gemeinsamen in ihnen nachzuspüren, es gilt

sie einzuordnen in die allgemeine Umwälzung,
die sich in unserem Kulturkreise gegenwärtig
vollzieht. Erst dann enthüllen sie ihr Posi-
tives, erst dann liegt die Möglichkeit vor, in
ihnen etwas anderes zu sehen als „Verirrungen"
und befremdliche Konvulsionen.

Worin ist das Gemeinsame der neuen Be-
wegungen zu suchen? Horcht man auf die Ge-
danken, die in den Atelierdiskussionen der
jungen Stürmer erörtert werden, so sind es
immer Gedanken von idealistischer Grundten-
denz: die Welt als freie Schöpfung des Indivi-
duums, die Gefühltheit und Erlebtheit des Welt-
bildes, die Beziehung jeder dargestellten Form
auf das Erleben des künstlerischen Subjektes.
Kurzum, extreme Geistigkeit überall, überall
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