Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 32.1913

Page: 157
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1913/0171
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
: !> < >: >«: > >:.».«». .■ § > ? o v .* •» *■ ? v«

ENTWURF: ANNA LESZN AI - BUDAPEST.

KLEINE KUNST

APRII-

LEIPZIG. Der Kunstverein brachte in der
_v März-Ausstellung die- bekannte Kollektion:
„Stätten der Arbeit", etwas spät, doch schon
deswegen sehr erwünscht, weil unter den durchweg
qualitätvollen Bildern auch kühnere Lösungen sich
befanden, wie man sie in Leipzig nicht eben ge-
wöhnt ist. Was man in Berlin nur registriert hätte,
das lernt man in dem durchaus konservativen Leip-
zig als ein frisch und fröhlich Ding begrüßen, so
die Bilder von Emil Nolde, Waldemar Rösler, und
den von diesen beiden beeinflußten Franz Hecken-
dorf und Alfred Partikel, dann Kurt Peißer, Paul
Päschke, Hermann Goebel etc. — Außer dieser
Kollektion ist noch das Bildnis des Leipziger Ober-
bürgermeisters Dr. Dittrich von Robert Sterl zu
erwähnen, ein Geschenk an die Stadt von Seiten
eines ungenannten Stifters. Die Figur, stehend
hinter einem Tisch mit Akten, ist zur Hälfte sicht-
bar, das Gesicht dem Beschauer zugewandt in
Dreivierteldrehung des Körpers. Die Porträtähn-
lichkeit fällt auf, Kopf und Hände sind mit bedeuten-
dem Können gemalt. Umsomehr überrascht die
Zahmheit alles Beiwerks. Den Hintergrund hat
Sterl zu dem roten Samt der Sessel des Arbeits-

KISSENPLATTE MIT BUNTER STICKEREI.

NACHRICHTEN.

. 1913.

raumes gestimmt, d. h. er hat die Leinewand ein-

fach hellrotbraun zugestrichen, in einem Farbton,
der an sich schon wenig sympathisch ist, vor allem
aber keine Darstellung von Atmosphäre gestattet.
Das an sich hübsche Stilleben der Akten auf dem
Tisch vermag die Monotonie des Eindrucks nicht
wesentlich zu durchbrechen. — — Im Kunst-
salon Beyer sah man im März eine größere
Gemäldegruppe von Hermann Ebers, vorwie-
gend Landschaften mit Wasser, und dann immer
von der tüchtigen Arbeit eines begrenzten, aber
sympathischen Talentes, das sich an Liebermann
und Trübner geschult hat. Unter den Porträts ist
das beste das Bildnis Ludwig Ganghofers. — Beyer
brachte dann noch für wenige Tage einen Teil der
graphischen Sammlung des verstorbenen Notars
Dr. Weber - Hamburg. Die Sammlung umfaßt
mehr als 1000 Nummern, und jedes Blatt ist von
Rang. Mit besonders wertvollen Stücken ist das
Oeuvre von Anders Zorn, Israels, Lieber-
mann und Kalckreuth vertreten. Weiterhin sieht
man frühe Lithographien von Menzel, ausge-
zeichnete Drucke von Stauffer-Bern, von Leibi
Klinger und Greiner. Die großen Franzosen

i57
loading ...