Hannig, Henner [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,1): Landkreis Hannover — Braunschweig, 1988

Page: 13
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dtbrd_nds_bd13_1/0015
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DER LANDKREIS HANNOVER

Geographisch-topographische Beschreibung
Der Landkreis Hannover liegt inmitten Niedersachsens in geographisch bevorzugter Land-
schaft. Hier kreuzen sich zwei bedeutende Autobahnen und wichtige Eisenbahnlinien. Der
Mittellandkanal und der Verkehrsflughafen Langenhagen befinden sich auf seinem Gebiet.
Diese günstigen Verkehrsanbindungen unterstreichen die Bedeutung des Landkreises für
den nördlichen Raum.
Das Gebiet des Landkreises Hannover liegt in der Übergangszone vom Mittelgebirgsland
zur Norddeutschen Tiefebene. Seine Flächen reichen im Südwesten von der deutschen
Mittelgebirgsschwelle bis in die Geestlandschaft des Weser-Aller-Flachlandes im Nord-
osten. Das Weser- und Leinebergland mit Deister und Kleiner Deister bilden die natürliche
Begrenzung im Südwesten. Ihre Kämme markieren zum Teil die südwestliche Grenze des
Kreisgebietes zu den benachbarten Kreisen Hameln-Pyrmont und Schaumburg. Im Süd-
osten begrenzen die Landkreise Hildesheim und Peine das Kreisgebiet. Die Landschaften
der Braunschweig-Hildesheimer-Lößbörde und der Burgdorf-Peiner-Geestplatten reichen
über Laatzen, Sehnde und Lehrte bis an die Grenzen der Landeshauptstadt Hannover. Im
Norden zum Landkreis Celle verläuft die Grenze im Bereich der Niederungen der Obere
und Untere Aller. Hier liegt bei Fuhrberg das größte zusammenhängende Waldgebiet der
Norddeutschen Tiefebene.
Dem Weser- und Leinebergland ist ein ca. zwanzig Kilometer breiter Lößstreifen vorgela-
gert, der von der Leine durchschnitten wird. Links der Leine eröffnet sich die Calenberger
Lößbörde und rechts die Braunschweig-Hildesheimer-Lößbörde, von der ein Teil in das
Kreisgebiet reicht. Aus der leicht welligen, fruchtbaren Bergvorlandzone der Calenberger
Lößbörde erheben sich einige z.T. bewaldete Anhöhen wie der Stemmer Berg, der Gehr-
dener Berg, der Benther Berg, der Sülberg, der Limberg und der Schulenburger Berg. Die
bewaldeten Höhen des Deisters und die Anhöhen in der Ebene wurden für die Anlage von
Fluchtburgen genutzt, in deren Schutz sich einige Ansiedlungen entwickelten wie am
Gehrdener Berg. Die Flächen in der Ebene waren früher von kleinen Buchenwäldern und
Grünflächen bestimmt. Heute beherrschen die weiten Felder einer intensiv betriebenen
Landwirtschaft das Bild.
Die Braunschweig-Hildesheimer-Lößbörde mit der leicht bewegten Topographie wird in
westlicher Richtung zur Leine hin entwässert. Die heute intensiv bewirtschafteten fruchtba-
ren Lößlehmböden sind nur vereinzelt mit kleinem Laubbaumbestand gedeckt. Charakteri-
stisch sind die Obstbaumalleen, die die verstreut liegenden Haufendörfer miteinander
verbinden.
Der breite Streifen des Mittelgebirgsvorlandes wurde frühzeitig für die Verkehrsverbindun-
gen wie den Helweg in Ost-West-Richtung genutzt, da sich hier nur wenige natürliche
Hindernisse auftaten. Auch heute folgen die Hauptverkehrswege wie Eisenbahn, Autobahn
und Mittellandkanal diesen Linien. Der Verlauf der Autobahn und des Mittellandkanals sind
etwa identisch mit der Grenze zwischen dem Lößstreifen und der Geest im Norden.
Eine markante Zäsur in Nord-Süd-Richtung bildet der Leinegraben. Er beginnt im Süden bei
dem Hildesheimer Wald und reicht im Norden bis zur Norddeutschen Tiefebene. Der
Wietzegraben, der von der Leine geschaffen wurde, verläuft in nördlicher Richtung. Aufge-
wehte Sandhügel im heutigen Stadtgebiet von Hannover zwangen die alte Leine in ihr
neues nach Westen abzweigendes Bett. Die Ränder der Gräben sind deutlich erkennbar.
Im Neustädter Land reihen sich hier die Ansiedlungen aneinander. In den alten Leinearmen,
die die wenig Wasser führende Wietze durchfließt, bildeten sich großflächige Moore, die im
Laufe der Jahrhunderte abgebaut und in Weideflächen umgewandelt wurden. An den
Flußniederungen wuchs der weit ausgedehnte, dichte „Nordwohld“, ein Auewald aus Erlen
und Birken, von Eichen durchsetzt. In den höheren Lagen bildete sich ein lichter Eichen-
wald, in den saftige Wiesen eingebettet waren. Die Flächen auf den trockeneren Terrassen
trugen Laubbäume und die Grünflächen wurden in Ackerflächen umgewandelt, sodaß sich
heute ein gewandeltes Bild ergibt.
Die Verkehrswege in Nord-Süd-Richtung wie der als „via regia“ bezeichnete Weg, die
Poststraße und heutige Bundesstraße 3 und die Eisenbahnlinie Hannover-Frankfurt nutzten
ebenfalls die günstigen topographischen Gegebenheiten. Sie verliefen entlang den Rän-
dern der Terrassen des Leinegrabens. Parallel zu der Leine treten sie durch die Pforte
zwischen Kleiner Deister und Hildesheimer Wald vom Mittelgebirge in die Norddeutsche
Tiefebene. Die hier 1292 errichtete Feste Calenberg findet ihre Begründung in der strate-
gischen Bedeutung dieses natürlichen Durchganges. Besonders während der Hildeshei-
mer Stiftsfehde und im Dreißigjährigen Krieg spielte die Festung eine besondere Rolle.

13
loading ...