Hannig, Henner [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,1): Landkreis Hannover — Braunschweig, 1988

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Wohnwirtschaftsgebäudes. Giebelschwell-
balken und Dielentorbalken sind mit einer
Inschrift versehen und Blumenmotive zieren
die Dielentorpfosten. Datiert ist das Hallen-
haus im Torbalken 1796.
Die Siedlungserweiterung um die Jahrhun-
dertwende vollzog sich nicht nur im Orts-
kern, sondern besonders entlang dem
Steinkamp in nördlicher Richtung. STEIN-
KAMP 1, ein eingeschossiger Ziegelbau un-
ter Satteldach mit mittigem, zweigeschossi-
gen Erkerhaus von vier Fensterachsen, ist
mit dem hinten links angebauten Wirt-
schaftsgebäude eines der schmuckvollsten
Beispiele aus der Zeit um 1900. Durch die
streng symmetrische Gliederung der Fen-
ster, Lisenen und horizontalen Kämpfer-
und Fensterbankgesimse aus lasierten Klin-
kern wird das mit zahlreichen Zierformen
übersäte Gebäude in eine erkennbare Ord-
nung gebracht.
Ortskarte Seite 146/147
SPRINGE-ALFERDE

SPRINGE-ALTENHAGEN I

Die als lockere Haufensiedlung angelegte
Ortschaft Altenhagen wurde 1304-1324
erstmals als Oldenhagen in den Urkunden
des Bischofs von Minden erwähnt. Sie ge-
hörte zum Lehensbesitz der Grafen von Hal-
lermund. Seit 1411 war sie fester Besitz der
Welfen. Die unterschiedlichen Böden und
Gesteinsarten waren Grundlage für die wirt-
schaftliche Entwicklung Altenhagens. Der
fruchtbare Boden an den Talrändern er-
möglichte die Landwirtschaft, das wasser-
reiche Tal, das von zahlreichen Bächen
gespeist wurde, die heute z.T. leider ver-
rohrt die Ortschaft durchfließen, begünstig-
te den Bau von Wassermühlen, der Sand-
stein bot das natürliche Baumaterial, die
Tone waren Arbeitsmaterial für das Töpfer-
handwerk, und die nahen Wälder waren die
Basis für die Holzwirtschaft.
Die ev. Pfarrkirche ZUM NESSELBERG 11
liegt im alten Ortskern. 1510 wurde sie als
Besitz des St. Bonifatius Stiftes in Hameln
erstmals erwähnt. Nach der Zerstörung im

Dreißigjährigen Krieg wurde sie mit Steinen
der Sedemünder Kirche wieder erbaut. Der
heute vorhandene Bau, auf rechteckigem
Grundriß mit dreiseitigem Chorabschluß,
stammt aus dem Jahre 1844 und wurde
nach Plänen von Peters errichtet. Die durch
fünf Achsen mit schlanken Rundbogenfen-
stern und fein profilierten Laibungen geglie-
derte Saalkirche ist in Bruchstein mit roma-
nisierenden Rundbögen unter dem Haupt-
gesims erstellt. Die beiden Türen in der Mit-
telachse der Traufseite liegen in Risaliten.
Der auf quadratischem Grundriß errichtete
Turm weist Reste des von seinem Stifter
Jacob Busch im Jahre 1556 erstellten Vor-
gängerbaues auf. Er ist gegliedert durch
Kaffgesimse, das Hauptgesims und bekrönt
durch ein Pyramidendach mit quadrati-
schem Dachreiter. Im Innenraum unter ver-
putzter, segmentbogiger Holztonne sind
der achteckige Taufstein in Kelchform aus
dem Jahre 1649, die klassizistische Kanzel-
altarwand, die Empore, die Orgel und das
Gestühl aus der Erbauungszeit erwähnens-
wert.

Das Haufendorf Alferde wurde 1238 als Alc-
forde erstmals urkundlich erwähnt und ge-
hört zu den ältesten Siedlungen im Go
Eldagsen. Der fruchtbare Boden ermöglich-
te eine intensive Landwirtschaft. Im Ver-
gleich zu anderen Ortschaften der Stadt
Springe erreichten die landwirtschaftlichen
Betriebe sehr früh, wie aus den alten Plänen
ersichtlich ist, eine stattliche Größe. Die
meisten Hofanlagen verfügen über mehrere
Scheunen und Ställe. Die ehemaligen Hal-
lenhäuser wurden um 1900 größtenteils
durch Wohnhäuser in Ziegel ersetzt oder in
ihrer Substanz stark verändert.
Inmitten der Siedlung in der ALTE DORF-
STRASSE 6 liegt der roh verputzte Bruch-
steinbau der ev. Pfarrkirche, die dem St.
Nikolaus geweiht ist. Das auf unregelmäßi-
gem, rechteckigen Grundriß vermutlich um
1200 entstandene Schiff mit Quaderkanten
und Strebepfeilern auf der Südseite wurde
im 18. Jh. zu einem Saal umgestaltet. Der
um 1300 entstandene quadratische West-
turm wurde 1822 um ein schieferbekleide-
tes Fachwerkgeschoß erhöht. Er ist ge-
deckt mit einem achteckigen Helm. Das fla-
che, pfannengedeckte Satteldach des
Schiffes ist im Osten abgewalmt. Den In-
nenraum schließt eine Schaldecke in Mul-
denform. Der hölzerne Kanzelaltar entstand
Ende des 18. Jh., der Kanzelkorb stammt
aus dem 17. Jh., das bekrönende Kruzifix
aus dem 16. Jh., und die Altarmensa ist
mittelalterlich. Die auf rundem Sockel ins
Achteck der Schale geführte Sandsteintau-
fe ist 1598 datiert. Das Vesperbild aus Lin-
denholz in neuer Fassung stammt aus der
Zeit um 1500, und die dreiseitig umgeführte
Empore, der historisierende Orgelprospekt
und das Gestühl aus der zweiten Hälfte des
19. Jh.
Ortskarte Seite 148/149

Velber, Steinkamp 1, Alferde, Am Mühlenbach,
Wohnhaus, um 1900 Brücke, um 1830


Altenhagen I, Zum Nesselberg 11, Kirche, 1844


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