Hannig, Henner [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,1): Landkreis Hannover — Braunschweig, 1988

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liegenden, über zwei Geschosse reichen-
den, verputzten Fensterfeldern gegliedert.
Die rundbogigen Fensteröffnungen sind
z.T. noch durch alte Sprossenfenster ge-
schlossen.
Eine konstruktive Besonderheit ist im Be-
reich des als Baudenkmal ausgewiesenen
MITTELLANDKANALS zwischen Seelze
und Garbsen zu finden. Über zwei Trog-
brücken in Stahl mit Segmentbögen über-
fließt der Mittellandkanal hier die Leine und
das angrenzende Überschwemmungsge-
biet.
Ortskarte Seite 146/147

SEELZE-VELBER

Die kleine Ortschaft Velber wurde erstmals
urkundlich als Velberch im Jahre 947 er-
wähnt. Der weite Bereich um Velber wurde
frühzeitig von Menschen aufgesucht und
bewohnt, wie bronzezeitliche Grabhügel
aus der Zeit um 1600-1200 v. Chr. belegen.
Die Besitzungen des untergegangenen Her-
rensitzes, der nicht identisch ist mit dem

späteren Rittergut, wurde unter den Bauern
der Ortschaft aufgeteilt. Das als Brandhof
bezeichnete Gut soll in der zweiten Hälfte
des 13. Jh. entstanden sein. Im Westen der
Ortschaft gelegen, war es an drei Seiten
von Wassergräben umgeben. Leider wurde
die gesamte Anlage 1967 vollständig abge-
rissen und mit einem Einfamilienwohnhaus-
gebiet überzogen.
Im alten Ortskern steht die kleine gotische
Kapelle im KAPELLENBRINK 1 und 3, die
zusammen mit dem Schulhaus den Ortsmit-
telpunkt markiert. Sie soll innerhalb der ehe-
maligen Grafenburg gelegen haben. Die
Kapelle aus Backsteinen auf Sandsteinfun-
dament ist heute weiß geschlämmt. Das
Satteldach wird von einem kleinen quadra-
tischen Dachreiter bekrönt. Ein dreiseitiger
Chor schließt den Innenraum im Osten.
1841 wurde sie fast vollständig umgebaut.
Im Inneren ist auf der Südwand ein spätmit-
telalterlicher Sühnekreuzstein eingemauert.
Besonders wertvoll ist der dreiflügelige Al-
tar aus dem Jahre 1610.
In unmittelbarer Nachbarschaft der Kapelle
im KAPELLENBRINK 3 steht die ehemalige

Schulstube, ein schlichter, eingeschossi-
ger, massiver Ziegelbau mit rotem Tonpfan-
nendach. Der Bau stammt aus dem Jahre
1892. Die Velber Bauern konnten sich
schon 1662 ein eigenes Lehrerhaus leisten,
dessen Nachfolgebau 1982 einem Neubau
wich.
Gegenüber dieser Gebäudegruppe steht
eine der letzten fast vollständig erhaltenen
Hofanlagen der Ortschaft AM WEHRGRA-
BEN 1. Sie bildet mit dem mächtigen Haupt-
haus, den Nebengebäuden, dem Baumbe-
stand, der Einfriedung durch Hecken und
Mauer, mit dem ehemaligen Bauerngarten
und der Obstwiese oder Kälberwiese eine
Gruppe baulicher Anlagen. Von besonderer
Bedeutung für den Bereich Seelze ist das
Haupthaus, ein Niederdeutsches Hallen-
haus in Vierständerbauweise unter Sattel-
dach mit Halbwalm über dem Kammerfach.
Die regelmäßige, quadratische Abzimme-
rung des dreimal vorkragenden Wirtschafts-
giebels mit den langen Streben und des
ehemals streng symmetrisch angelegten,
mehrfach vorkragenden Wohngiebels unter-
stützt die mächtigen Proportionen dieses

Seelze, Kanalbrücke über die Leine, Velber, Kapellenbrink 1 und 3,
um 1915 Kapelle, 13. Jh.


Seelze, Hannoversche Straße 24, Schule, um 1915


Velber, Am Wehrgraben 1,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1796


Alferde, Alte Dorfstraße 6,
Kirche St. Nikolaus, um 1200


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