Hannig, Henner [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,1): Landkreis Hannover — Braunschweig, 1988

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GEHRDEN-REDDERSE

Redderse entstand zur Zeit der frühesten
Besiedlung unseres Raumes, wie frühge-
schichtliche Funde belegen. In den Urkun-
den des Mindener Bischofs wurde Redder-
se schon im Jahre 1196 im Zusammenhang
mit der damals hier ansässigen Familie de
Redese genannt, deren Bindung an die Ort-
schaft jedoch seit Anfang des 15. Jh. nicht
mehr belegbar ist. Der größte Anteil der
Zehntrechte an der um einen Haupthof
errichteten Siedlung erwarb das Kloster
Wennigsen im 13. Jh. Neben den Adels-
geschlechtern der umliegenden Güter be-
saßen die Äbtissin von Wunstorf und die
Klöster von Barsinghausen und Marienwer-
der Rechte an den Höfen der Ortschaft
Redderse. Wie fast in dem gesamten Land-
kreis Hannover erlangten die Bauern auch
hier erst in der Mitte des 19. Jh. im Jahre
1857, durch die Ablösung ihre volle Unab-
hängigkeit von den Klöstern und Gutsher-
ren.
Schon für das Jahr 1683 ist in Redderse
eine Kapelle nachgewiesen, die zur Mutter-

Redderse, Tivoli 9,
Kapelle, 1738


Redderse, Wiesenstraße 16,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1818


Redderse, Tivoli 11,
Querdielenhaus, frühes 19. Jh.


kirche in Gehrden gehörte. Sie mußte im
Jahre 1738 wegen ihrer schlechten Bausub-
stanz abgerissen werden und wurde noch
im selben Jahr durch einen Neubau ersetzt,
der als einfacher, kleiner Fachwerkbau mit
verputzten Gefachen in der Straße TIVOLI 9
besteht. Die mit Holzschnitzereien versehe-
ne Kanzel und der Altar stammen aus der
St. Margarethen Kirche in Gehrden.
Wie in den meisten Ortschaften des Calen-
berger Landes wurden die bäuerlichen Bau-
ten mit dem Beginn des vergangenen Jahr-
hunderts und verstärkt in der zweiten Hälfte
des 19. Jh. durch Hallenhäuser in Vierstän-
derbauweise oder durch massive Ziegel-
bauten ersetzt. Zu den ältesten erhaltenen
Hallenhäusern zählen der Vierständerbau in
der WIESENSTRASSE 3 von 1767 und der
mächtige Vierständer in der WIESEN-
STRASSE 16 mit seiner für den südlichen
Bereich des Landkreises typischen Giebel-
abzimmerung. In direkter Nachbarschaft
steht der ehemalige Vierständer WIESEN-
STRASSE 14, dessen Außenwände z.T.
verhängt sind. Das Innengerüst stammt aus
der Mitte des 18. Jh. Die ursprüngliche dörf-

Redderse, Obernfeldstraße 14,
Wohnhaus, Mitte 19. Jh.


Arnum, Göttinger Straße 77 A,
Kapelle, 15. Jh.


liehe Kleinteiligkeit unter dem schützenden
Dach des Altbaumbestandes ist mit der
Gesamtheit baulicher Anlagen im Bereich
um die Kapelle am Tivoli sehr gut dokumen-
tiert. Hier ist das Querdielenhaus TIVOLI 11
aus der ersten Hälfte des 19. Jh. wegen
seines konstruktiven Gefüges und der intak-
ten, rhythmisch gegliederten Außenwand
besonders hervorzuheben. Das Hallenhaus
in Vierständerbauweise, TIVOLI 6, stützt mit
seiner Fachwerktraufe und dem rot gedeck-
ten Ziegeldach die Geschlossenheit dieses
Bereiches.
Etwas nördlich von dieser Gruppe steht an
städtebaulich dominierender Stelle ein
kleiner Wandständerbau, OBERNFELD-
STRASSE 14. Das Fachwerkgebäude unter
Halbwalmdach wurde in der Mitte des
19. Jh. erbaut.
Im nordwestlichen Bereich steht in einer
Reihe mit weiteren Hofanlagen das in zwei-
geschossiger Bauweise aus Ziegeln um die
Jahrhundertwende errichtete Wohnhaus
der Hofanlage WIESENSTRASSE 11, in
dem früher die Gaststätte Deutsches Haus
untergebracht war. Zu erwähnen ist der
Dorfbrunnen aus Sandsteinplatten in der
OBERNFELDSTRASSE.
Ortskarte Seite 110/111
HEMMINGEN-ARNUM

990 wurde Arnum als Ernun in einer Schen-
kungsurkunde an das Kloster Corvey erst-
mals erwähnt. Als Erne tauchte es in dem
Lehnsregister des Bischofs Gottfried von
Minden zwischen 1304 und 1320 auf. Die
wohl zur Zeit der Sachsen entstandene
Siedlung war wegen ihrer topographischen
Lage sicher schon sehr früh von strategi-
scher Bedeutung. In der Karte der Kurhan-
noverschen Landesaufnahme von 1781 ist
der breite Streifen der Arnumer Landwehr
erkennbar, der deutlich mit der feuchten
Niederung des Baches, von dem früher eine
Wassermühle getrieben wurde, in der Land-
schaft zu sehen ist. Die Lage an der Göttin-
ger Straße beschleunigte seit Mitte des ver-
gangenen Jahrhunderts die Entwicklung
von dem einfachen Bauerndorf zu der heuti-
gen ausgedehnten Siedlung. Die Ziegelei-
en, die bereits Ende des vorigen Jahrhun-
derts am Rande der Gemarkung entstan-
den, trugen erheblich zur Veränderung der
Ortschaft bei. Die Ausweitung der Besied-
lung in nördlicher und südlicher Richtung
entlang der Göttinger Straße ist auf der
Königlich Preußischen Landesaufnahme
von 1896 eingetragen. Hier sind einige die-
ser einfachen, in Ziegel errichteten Bauten
vorhanden. Sie sind jedoch z.T. stark verän-
dert.
Im alten Ortskern liegt die kleine Kapelle
hinter einem zweigeschossigen Gasthaus
verborgen, GÖTTINGER STRASSE 77 A.
Der auf rechteckigem Grundriß erstellte
Bruchsteinbau unter Satteldach mit Halb-
walm über dem Ostgiebel und kleinem qua-
dratischen Holzdachreiter über dem west-
lichen Fachwerkgiebel stammt vermutlich
aus dem 15. Jh. Der mit einer Balkendecke

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