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abgeschlossene Innenraum wird durch zwei
später eingefügte rechteckige Fenster mit
Sandsteingewänden auf den beiden Trauf-
seiten belichtet. Auf der Westseite ist ein
kleineres Fenster mit gefasten Steingewän-
den vorhanden. Im Sturz der durch Sand-
steingewände mit Viertelstab eingefaßten
Tür ist die Jahreszahl 1720 eingemeißelt.
Die hölzerne Orgelempore ist datiert 1658.
Ortskarte Seite 112/113
HEMMINGEN-DEVESE

Die Ortschaft Devese wurde im Zusammen-
hang mit Besitzungen im Deisterwald in
einem Verzeichnis aus dem Jahre 1330
erstmals erwähnt. Vergleicht man die Kur-
hannoversche Landesaufnahme von 1781
mit dem heutigen Lageplan, kann man fest-
stellen, daß die ursprüngliche Form des
alten Haufendorfes erhalten geblieben ist.
Am nördlichen Dorfrand, von kleinteiliger
Bausubstanz umgeben, steht die einfach
abgezimmerte Fachwerkkapelle im WE-
STERFELDER WEG. Der Fachwerkbau von
fünf Fach unter Satteldach mit Halbwalm
erhebt sich über einem ca. 1 m hohen
Bruchsteinsockel. Die Decken- und Giebel-
schwellbalken kragen über profilierten Tau-
stabknaggen weit aus. Die liegenden Ge-
fache des weitmaschigen Fachwerks sind
weiß verputzt. Der kleine hölzerne Dachrei-
ter trägt die Glocke aus dem Jahre 1643. Im
Dreißigjährigen Krieg wurde die Kapelle er-
heblich beschädigt und erst gegen Ende
des 18. Jh. wieder aufgebaut. Die letzte
Restaurierung erlebte das Baudenkmal im
Jahre 1977/78.
Ein besonders gut erhaltenes Beispiel der
„Zuckerrübenburgen“ ist das durch korbbo-
gige Fenster, umlaufende Zahnfriese und
Ecklisenen symmetrisch gegliederte Wohn-
haus in der KRUMME STRASSE 5. In sei-
nem Kern ist das Wohnhaus der Hofstelle
VORM DORFE 10 eines der älteren Bauten
Deveses. Hier ist der städtische Einfluß des
nahen Pattensens zu erkennen. Das zu
Beginn des 19. Jh. entstandene zweistök-
kig als Wandständerbau abgezimmerte
Wohnhaus greift mit seinem Queraufschluß
den Grundtyp des nach dem Brand im 18.
Jh. für Pattensen entwickelten Haustyps
auf. Die westliche Verlängerung in Ziegel
erfolgte fast ein Jahrhundert später. Die
Denkmalwürdigkeit des Wohnhauses wird
unterstützt durch die Einheitlichkeit der ge-
samten Anlage. Die Einfriedung, das lang-
gestreckte Scheunen- und das Stallgebäu-
de wurden aus rotem Ziegel erbaut. Die
Scheune ist im Schlußstein des segment-
bogigen Scheunentorsturzes datiert 1868.
Schmuckelemente wie Eckpilaster und
Zahnfries zieren die Fassaden des Wirt-
schaftsgebäudes wie der Wohnhausverlän-
gerung.
Ortskarte Seite 112/113

HEMMINGEN-HARKENBLECK

Auf dem linken Leineufer liegt das kleine
Haufendorf Harkenbleck. Die Ortschaft wur-
de 1226 erstmals als Herkenblede urkund-
lich erwähnt.
Am westlichen Rand des alten Ortskernes
AN DER KAPELLE steht das bedeutsamste
Bauwerk Harkenbiecks, die Kapelle. Der
ehemals verputzte Bruchsteinbau mit Eck-
quaderung trägt mittig einen hölzernen
Dachreiter, der in der Wetterfahne 1868
datiert ist. Die Giebeltrapeze sind mit Pfan-
nen behängt. Auf den vier Seitenwänden
kragen die Dach- und Giebelschwellbalken
weit über geschweiften Taustabknaggen
aus. Die im Jahre 1412 auf rechteckigem
Grundriß als Wehrkirche erbaute Kapelle
wurde nur sparsam von kleinen Fenstern
belichtet, denen später quadratische Fen-
ster hinzugefügt wurden. Der Innenraum
hatte früher eine eingelegte Decke, die ent-
fernt wurde. Das umlaufende Auflager ist
noch erkennbar. Unter der Familienkapelle
von Reden liegt die Familiengruft, die von
außen über einen in Ziegel angefügten Ein¬

gang auf der Nordseite zu erreichen ist. Als
bedeutendes Inventar ist der Altar aus dem
16. Jh. und die wertvolle Barockkanzel, die
Eleonora von Reden im Jahre 1687 stiftete,
zu nennen. Auch das Uhrwerk stammt aus
dem Jahre 1886.
Im Bereich des östlichen Steinbrinks sind
einige der alten Vierständerbauten in Fach-
werk erhalten. Hier sind zu nennen die Häu-
ser im STEINBRINK 8 und STEINBRINK 14,
die sich in Grundriß und Gebäudeproportio-
nen kaum voneinander unterscheiden. Das
im Jahre 1805 erbaute Hallenhaus STEIN-
BRINK 14 ist im Wohnteil zweistöckig abge-
zimmert. Der Wirtschaftsgiebel aus recht
kräftigem Ständerwerk mit den liegenden
Gefachen ist mit vorspringendem Giebel-
schwellbalken abgezimmert. Das Giebeltra-
pez ist unter Halbwalm mit roten Tonpfan-
nen behängt. Im Gegensatz hierzu ist das
Haus STEINBRINK 8 im Wohn- und Wirt-
schaftsteil zweistöckig abgezimmert, im
Dielentor datiert 1842. Das sparsam ver-
wendete Fachwerk entspricht der um diese
Zeit in dieser Hauslandschaft angewende-
ten Konstruktion.

Harkenbleck, An der Kapelle, Kapelle, 1412


Devese, Westerfelder Weg,
Kapelle, Ende 18. Jh.



Harkenbleck, Steinbrink 8,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1842

Harkenbleck, Steinbrink 14,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1805


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