Hannig, Henner [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,1): Landkreis Hannover — Braunschweig, 1988

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Der rechteckige Saalbau der Kirche, in der
KIRCHSTRASSE gelegen, in Bruchsteinqua-
dermauerwerk unter Mansarddach, stammt
aus dem Jahre 1704. Ein verputztes, seg-
mentbogiges, hölzernes Tonnengewölbe
überdeckt den Innenraum. Der Ostchor auf
rechteckigem Grundriß mit rippenlosem
Kreuzgewölbe stammt vermutlich aus dem
12. Jh. Der auf der Südseite liegende Turm
aus Quadermauerwerk ist über der Tür in
einer Sonnenuhr datiert 1461. Die Glocken-
stube wurde später in Fachwerk unter Man-
sarddach aufgesetzt. Die Wetterfahne ist
datiert 1778. Die stilistisch einheitliche In-
nenausstattung stammt aus dem 17. Jh.
Hierzu gehörten der barocke Altar mit vier
gewundenen Säulen, die einen reich ge-
schmückten Aufbau tragen, die mit Evange-
listenfiguren besetzte Holzkanzel und der
achteckige Taufstein, dessen reich ge-
schmückter Kessel von knienden Engeln
getragen, wird 1643 datiert. Die hölzerne,
wappenverzierte und mit Szenen aus dem
Leben Jesu geschmückte Empore trägt die
Jahreszahl 1672.

Im Süden wird der Kirchhof begrenzt durch
das zweigeschossige in Ziegel errichtete
Pfarrhaus KIRCHSTRASSE 18 unter Walm-
dach. Das durch Fensterachsen, Dach- und
Geschoßgesims streng gegliederte Gebäu-
de steht auf fast quadratischem Grundriß.
Der kubische Bau stammt aus der Zeit um
die Jahrhundertwende. Direkt benachbart
ist das alte Schulhaus, ein Fachwerkbau in
Vierständerbauweise unter Halbwalmdach
und mit in roten Ziegeln ausgemauerten
Gefachen. Die Abzimmerung mit den Fuß-
streben läßt vermuten, daß das Gebäude in
der ersten Hälfte des 19. Jh. erstellt wurde.
Im alten Ortskern finden sich einige wenige
Fachwerkbauten in Vierständerbauweise,
aber auch als quererschlossene Wandstän-
derbauten, die jedoch verändert wurden.
Einer der letzten erhaltenen Fachwerkbau-
ten ist der kleine Wandständerbau AM
DAMM 5 unter Halbwalmdach mit weißver-
putzten Gefachen. Der als Altenteiler errich-
tete Bau stammt vermutlich aus der zweiten
Hälfte des 18. Jh.
Ortskarte Seite 116/117

LAATZEN-GLEIDINGEN

Oberhalb des steilen Randes der Leine-
marschniederung in leicht bewegtem Ge-
lände liegt der alte Dorfkern der Ortschaft
Gleidingen. Der Kirchenbau inmitten des
alten Kirchhofes und die roten Satteldächer
der landwirtschaftlichen Gebäude, einge-
bettet in die weitausladenden Baumkronen
des alten Eichenbestandes, zeigen dem
Betrachter nahezu unverändert das über
Jahrhunderte erhaltene Ortsrandbild. In
einer Urkunde aus dem Ende des 10. Jh.
wird Gleidingen als Glethingi erwähnt. Sied-
lungsfunde nahe dem Friedhof belegen,
daß es sich um eine sehr frühe Siedlung
handelt, die auf die römische Kaiserzeit
zurückzuführen ist.
Die ev. Pfarrkirche St. Gertrud in der HIL-
DESHEIMER STRASSE am südlichen Rand
der Ortschaft ist der Nachfolgebau einer
alten Kapelle. Der heutige Baukörper des
einschiffigen, romanischen Baues stammt
aus dem Ende des 12. Jh. mit wesentlichen
Umbauten in den Jahren 1820/21. Der quer-
rechteckige Westturm in Sandsteinquader-

Wilkenburg, Kirchstraße, Kirche St. Vitus, 1704


Wilkenburg, Kirchstraße 18,
ehern. Schule, frühes 19. Jh.


Wilkenburg, Kirchstraße 18,
Pfarrhaus, Jahrhundertwende


Wilkenburg, Am Damm 5,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, spätes 18. Jh.


Gleidingen, Hildesheimer Straße,
Kirche


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