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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0217
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kleinen Ehrenhofes, während sich eine zeitglei-
che Scheune in Fachwerkbauweise mit Längs-
durchfahrt und massiven Giebeln östlich des
Herrenhauses erstreckt.
Der Straße Große Rehre gegen Süden hin fol-
gend, führt der Weg direkt auf eine steinerne
Pforte zu, deren geschwungene Ziergitter
bereits einiges von der Bedeutung der sich
anschließenden Anlage, des Amtshauses inmit-
ten weitläufiger Parkflächen, erahnen lassen:
Amtshaus
Das heutige Gebäude (Burgstr. 18/20) besitzt
seinen Ursprung im ersten Amtshaus, das man
nach Beendigung der langjährigen Fehden
1399 auf dem Vorhof der Burg im äußersten
Süden der Ortschaft errichtete, wobei man
wesentliche Teile der Anlage bestehen ließ. Um
1600 scheint das Gebäude durch einen zwei-
geschossigen Fachwerkbau mit Treppenturm
ersetzt worden zu sein (s. Stich M. Merians von
1650), der um 1750 dem überkommenen,
repräsentativen Amtshaus wich (oder in ihm
aufging): Das ebenfalls als zweigeschossiger,
bündig abgezimmerter Fachwerkbau konzipier-
te Gebäude zeigt sich aus feuerpolizeilichen
Gründen massiv umkleidet, wobei man sich in
der Bausprache (Geschossgesims, Eckquade-
rung, Walmdach laut Postkarte von 1910) an
herrschaftlichen Bauten orientierte; die heutige

Oberflächenstruktur entstammt hingegen dem
Wiederaufbau der Nachkriegszeit. Das elfachsi-
ge Gebäude öffnet sich zum Vorhof über eine
geschwungen geführte Freitreppe, der um
1900 ein Rasenrund bzw. eine Blumenrabatte
gegenüberlag; heute befindet sich an dieser
Stelle eine runde Teichanlage.
Seit der tiefgreifenden Instandsetzung des
Amtshauses in den 1980er Jahren zeigt sich
seine Nordseite durch Buxuskugeln und
Skulpturen des 18.Jh. im Wechsel akzentuiert,
während seine Gartenseite ein prächtiges
Holzportal mit barocker Supraporte vorgelegt
erhielt. Ein vergleichbares Portal zierte bis in die
Nachkriegszeit hinein auch den Hauptzugang,
bevor man es durch das heutige Portal ersetz-
te. Das in der Nachkriegszeit zu einem
Altersheim, anschließend zum Auktionshaus
umgenutzte Amtshaus erhebt sich nördlich des
Leinelaufes am Rande eines weitläufigen
Parkes (mit Sonnenuhr und Skulptur eines
Kriegers, 18.Jh.), der sich mit seinen ge-
schwungenen Wegen und Teichanlagen als
eine Konzeption des 19.Jh. zu erkennen gibt.
Schon 1781 ist jedoch die erhaltene, nordsüd-
lich verlaufende Dammaufschüttung belegt, die
das Amtshaus annähernd axial erschließt.
Vermutlich legte man sie - wie auch die dorfsei-
tige steinerne Pforte - gleichzeitig mit dem
Amtshaus-Neubau an, während die begleiten-
de Kastanienallee wohl eine Pflanzung des
19.Jh. ist. Zum Amtshof gehört eine lang ge-

streckte Scheune, im 18.Jh. als Wandständer-
bau mit Quereinfahrt am Rande eines Bachlau-
fes errichtet.
Den Amtshauspark gegen Norden verlassend,
fällt der Blick direkt auf die historische
Gaststätte „Zur Linde” (Burgstr. 16), die an
dem alten Dorfplatz das 20.Jh. fast unbescha-
det Überstand: Der Bauzeit um 1913 gemäß
zeigt sie das charakteristische Stilgemisch der
damals beliebten Villen im Landhausstil, ein
Konglomerat aus Massivbauweise und Fach-
werk-Zierdetails, bereichert durch Balkone,
Terrassen und mittelalterlich anmutende
Treppentürme. Das in der Baugewerks-Zeitung
des Jahres 1913 vorgestellte viergeschossige
Gebäude (Architekten Pape & Roder/Hannover)
zeigte sich mit Klubraum und integrierten
Toiletten ausgesprochen fortschrittlich konzi-
piert. Die sog. Gaststube ergänzt ein durch ein
Zwerchhaus aufgelockerter, winkelförmiger
Trakt, der als eingeschossiger Flügelbau mit
Quereinfahrt dem typischen Gepräge der
Stallanbauten folgt und v.a. untergeordnete
Funktionen, wie Aborte aufzunehmen hatte.
Das Gasthaus ist wohl das jüngste Baudenkmal
dieses Straßenzuges, dem neben dem einge-
schossigen Querdielenhaus Nr. 14 (um 1830)
mit dekorativer Zugangstür auch der schlichte
Ziegelbau des späten 19.Jh. Nr. 12 und das
Wohnwirtschaftsgebäude Nr. 1 anliegt: Das
1896 in Ziegelbauweise mit den charakteristi-
schen Blendgliederungen errichtete Gebäude


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