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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0333
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lieh bürgerliche Villen, Geschäfts-, Fabrik- und
öffentliche Bauten gestaltete. Sicherlich ist die
Umsetzung dieses Stils an dem nach örtlichen
Traditionen giebelständig errichteten Ziegelbau
Marktstraße 12a als bescheiden zu benennen,
dennoch besitzt er gerade als kleinstädtischer
Beleg des Rundbogenstils Seltenheitswert.
Ungewöhnlich ist auch seine klar abzulesene
Funktion als Wohn- und Geschäftshaus mit
angebundener Lagerfunktion (s. rückseitige
Toreinfahrt und Kranbalken im Giebelfeld zur
Beschickung des Dachraumes).
In den Jahren 1906/07 wurde die Bäckerei
Marktstraße 6 erbaut, nachdem ihr Vorgänger-
bau 1903 durch Brand zerstört worden war.
Der bis heute mit der ursprünglichen Nutzung
belegte zweigeschossige Backsteinbau harmo-
niert mit dem unmittelbar gegenüberliegenden
Ziegelbau Marktstraße 5, dessen Erdgeschoss
einst eine Folge breiter (Schaufenster) und
schmaler Stichbögen (Eingänge) aufwies; den
zum Markt gerichteten Ziergiebel des als
Handelshaus vermutlich um die gleiche Zeit
errichteten Gebäudes betonen seltene, polygo-
nal ausgreifende Eckstaffein.


Jenseits des Marktplatzes dokumentiert der
Klinkerbau Nr. 37/37a Konventionelles der
zwanziger Jahre, deutlich abzulesen an den die
Fassaden auflockernden Kasten- und Polygo-
nalerkern mit Zierfachwerkdekor oder den her-
kömmlichen Korbbögen als Schaufensterfor-
men im Geschäftsbereich.
Durch den Erhalt der dreigeteilten Oberlichter
und der sich nach außen öffnenden Pfosten-
fenster blieben dem Gebäude einige authenti-
sche Details zu Eigen, die heute den Sichtwert
des an einer Straßenkreuzung aufgehenden
Wohngebäudes erhöhen, zumal der polygonal
endende Hängeerker einen point de vue für die
Marktstraße darstellt.
Am östlichen Ende der Marktstraße leiten einige
ältere Fachwerk- (Nrn. 3, 41) und eingeschos-
sige Backsteinbauten des 19.Jh. (Nr. 1) zur
Mühlenbrücke als historische Überbrückung
der sog. Kleinen Leine über, die den Zugang zur
Bleiche sicherte. Die laut Bauinschrift im Jahr
1736 als stichbogiges Doppelgewölbe beidsei-
tig eines mächtigen Brückenpfeilers errichtete
Brücke wurde 1921 um die seitlichen Bürger-
steige erweitert und zuletzt im Zuge der
Ortssanierung durch ein Fahrbahn begrenzen-
des Wellendekor modern gestaltet.
Das südliche Schlossumfeld
Durch den Abriss der zwischen dem Kirch-
viertel und dem Schloss vermittelnden alten
Zehntscheune und weiterer Fachwerkbauten in
den 1970er Jahren scheint das südliche
Schlossumfeld heute vom engeren Marktbe-
reich abgelöst, zumal es der breite Zug der
Herzog-Erich-Straße durchkreuzt.
Ihr grenzt südlich das Bauensemble aus
Amtsgericht und Jugendarrestanstalt an
(Schloßstr. 7 und 5), das heute den Schloss-
bereich gegen Nordwesten abriegelt. Der 1841
als „Criminal-Gefangenenhaus” errichtete zwei-

Neustadt a. Rbge., Schloßstraße 7, Königliches Amtsgericht, „1902", Blick von Nordosten

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