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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0336
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Damals entstanden das unmittelbar in der
Flucht der Windmühlenstraße gelegene, im Stil
der Reformarchitektur zurückhaltend dekorierte
Wohnhaus („1912-13”) Theodor-Heuss-Straße
23 und die eingeschossigen historistischen
Backsteinbauten Leinstraße 42, 44, 45, die bei
variierenden Dachformen (Satteldach, Krüppel-
walmdach) eine einheitliche Traufständigkeit
und der zweigeschossige Mittelrisalit verbindet,
der im Dachbereich als dekoratives Zwerch-
haus (mit Oculi, Freigespärre etc.) einmündet.
Die durch glasierte Ziegel, Riemchenverklinke-
rung, farbig abgesetzte Sohlbänke und Zier-
friese gestalteten Bauten entstanden als kleine
historistische Vorstadtsiedlung wohl gegen
1900/1905.
Gegen Süden sind innerhalb der vorwiegend
von giebelständigen Bauten geprägten Straße,
in der auch das Brauhaus unmittelbar nach
dem Stadtbrand 1728 errichtet wurde, häufiger
kleinere Ackerbürgerhäuser zu registrieren,
denen um die Jahrhundertwende vereinzelt
Klinkerfassaden (Nr. 31) vorgelagert wurden.
Die schlichten Wandständer- (Nrn. 33, 29) oder
aber breit lagernden Vierständerbauten (Nr. 27)
entstanden zumeist kurz vor oder nach 1800,
wurden aber im Verlaufe des 20.Jh. zumeist
mehrfach umgebaut. Nur wenige wurden in den
achtziger Jahren des 20. Jh. saniert, nach Be-
funden rückgebaut bzw. dem abgegangenen
historischen Erscheinungsbild geringfügig
angenähert (Nr. 29: Dielentor; Nr. 5: Erd-
geschoss). Der größere Teil der ohnehin nur sel-
ten überkommenen Erdgeschosse wurde
dementgegen durch den Ausbau zu Ge-
schäften und Büros stark in Mitleidenschaft
gezogen (Nrn. 1 und 7), so dass lediglich die in
der Regel nur schwach vorkragenden oder
aber bündig abgezimmerten Steilgiebel noch
einige ungestörte Substanz aufweisen (Nrn. 3,
5, 29).
Insgesamt Vergleichbares ist auch für die
schmale Windmühlenstraße zu formulieren, von
der sich mit Ausnahme der schmalen Parzellen
und der Giebelständigkeit der Bauten kaum
etwas in unsere Zeit hinüberretten konnte,
obwohl sie in Einzelfällen sogar den verheeren-
den Stadtbrand von 1729 Überstand; so rei-
chen zwei ihrer anliegenden Gebäude in Teilen
sogar noch in das entwickelte 17.Jh. zurück.
Dies legen u.a. die über Taubandknaggen und
Zierfüllhölzern stark vorkragenden Giebelge-
schosse der Ackerbürgerhäuser Windmühlen-
straße 19 und Nr. 20 (beide wohl „1672”) nahe,
die vor ihren modernen Umnutzungen zu
Wohn- und Geschäftsbauten ursprünglich
annähernd identisch ausgebildet waren. Die vor
allem im Zuge des Wiederaufbaus der
Nachkriegszeit entstandenen, denkmalunver-
träglichen Modernisierungen wurden bei der
jüngsten Sanierung (um 1991/92) teilweise
behoben (Nr. 19: Rückbau der Fachwerk- fas-
sade, Einsatz des alten Giebeltores); dennoch
gingen mit der Umnutzung der ersten
Dachgeschosse zu Wohn- bzw. Bürozwecken
die kurzen aussteifenden Fußbänder verloren,
die die zweifach vorspringenden Giebel
ursprünglich brüstungsartig verzierten. Wesent-
lich jünger datiert indes das bündig abgezim-


Neustadt a. Rbge., Mittelstraße 29, ehern. Ackerbürgerhaus, um 1700

Neustadt a. Rbge., Leinstraße, Blick von Südosten


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