Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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Hellendorf, Sommerbosteier Straße 26, Backhaus, „1703"


gesetzten Wohnteil, der in Proportion und
Ausführung städtischen Wohnbauten folgt. Das
zugehörige Speicher-/Backhaus, 1703 als
schlanker Wandständerbau erstellt, hielt einen
Schüttboden oberhalb der durchgezapften
Ankerbalkenlage im Kniestock bereit. Für ein
Backhaus ungewöhnlich bleibt jedoch dessen
Gestaltung durch Bogenleisten und altertümli-
che Taustabknaggen, die sich in ähnlicher, aber
schlichterer Form am Backhaus Stachgrund
4/4A wiederfindet; leider wurde dieses vermut-
lich nur wenig später abgezimmerte Beispiel (1.
Hälfte 18.Jh.) durch den Ausbau zu einem
Ladenlokal stark überprägt und durch Anbau-
ten in seiner Aussage beeinträchtigt. Ablesbar
bleibt jedoch die giebelseitige Backhauskon-
struktion des eingezapften Brustriegels unter-
halb des holzausgefachten, durch Knaggen
rhythmisierten Drempels bzw. einstigen Schütt-
bodens. Typisch bleibt für beide Beispiele ihre
Lage abseits der Haupthäuser (Stachgrund
4/4A: Vierständerhallenhaus „1852”) inmitten
dichten Eichenbestandes.

WEDEMARK/ICKHORST

In der südlichsten Ortschaft der Wedemark, die
sich mit ihrem Namen „Schlage“ als historischer
Standort eines Schlagbaumes und somit als
Grenze zwischen dem Kurfürstentum Hannover
und dem Fürstentum Braunschweig-Lüneburg
zu erkennen gibt, wurde neben einem pfeilerar-
tigen Meilenstein an der historischen Chaussee
von Hannover nach Walsrode (L 190, km 15)



/•


lediglich ein Bauwerk unter Denkmalschutz
gestellt.
Die um 1905 errichtete kleinbürgerliche Villa
Ickhorster Weg 8 folgt mit der Kombination aus
erdgeschossigen Putzflächen und mit Zierfach-
werk überzogenen Giebeln und Zwerchgiebeln
dem Trend der Jahrhundertwende, der etliche
dieser nostalgischen Bauten im Landhausstil
entstehen ließ.

WEDEMARK/MEITZE

Wie Gailhof und Elze so gehört auch das 1438
im Schatzregister der Großvogtei Celle aufge-
führte Meitze („Metzenne”) zu den dicht beiein-
ander liegenden Siedlungen entlang der Große
Beeke-Niederung. Nach Osten schließt sich
das fast ebene Berghofer Dünen-Talsandgebiet
an, das wiederum zur zunächst annähernd pa-
rallel verlaufenden Wietze-Niederung vermittelt.
Der Ursprung der außergewöhnlich idyllischen
Ortschaft Meitze ist in einer kleinen Ansiedlung
zu suchen, die sich westlich der Kreuzung
zweier großer Verkehrsachsen, der Handels-
straßen von Hamburg nach Süddeutschland
(sog. Hessenweg als Teil des Hellweges) und
von Bremen nach Mitteldeutschland (histori-
sche Bezeichnung dieses Teilabschnittes:
Bottenfahrerweg) entwickelte. Über Jahrhun-
derte profitierte sie von den fahrenden Händlern
und Fuhrwerken, die auf dem Weg zu den gro-
ßen Handelsplätzen in Meitze logierten und
Weiden und Stallungen für ihre Tiere suchten.

Meitze, „Projekt derer Heerstraßen und Wege durch und um daß Dorf Meitze", Lageplan von 1733

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