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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0508
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ertragreiches Moorgebiet nordöstlich Hellen-
dorfs, während im Südwesten die hannover-
sche Moorgeest mit den Brelinger Bergen
angrenzt.
Westlich von Hellendorf (1771: 23 Feuerstellen)
zog sich im späten 18.Jh. die Poststraße von
Bremen nach Hannover entlang, während
heute die stark befahrene Landstraße L 190 die
modern verdichtete Ortschaft durchkreuzt (im
Ortsgebiet: Schwarmstedter Straße). Obwohl
Hellendorf damit deutlich an räumlichem Zu-
sammenhalt verlor, ist ihm dennoch ein ländli-
ches Flair zu Eigen, ungestört von zahlreichen
Neubauten und dem raumgreifenden Sied-
lungsausbau in den Randbereichen.
Dennoch haben nur noch wenige Bauten die
zurückliegenden Jahrhunderte weitgehend
unbeschadet überstanden; die Hofanlage
Grüner Weg 19 im Herzen Hellendorfs gehört
hierzu. Die Hofstelle dominiert ein von kräftigen
Eichenständern abgetragenes, gleichmäßig
gerastertes Zweiständerhaus mit Steilgiebel
(„1697”), das einen insgesamt späten Hallen-
haustyp (zumeist 18.Jh.) mit hoch gelegener
Giebelschwelle repräsentiert. Typisch ist neben
den fehlenden Kopfbändern auch das schlicht
gerasterte oder holzverschalte Giebeldreieck,
das auf Leisten etc. und somit auf Schein-
geschosse verzichtet. Die holzausgefachte und
durch Knaggen unterteilte Zone ist lediglich nur
ein Rudiment der einstigen Scheingeschosse.
In der jüngsten Vergangenheit wurden das
Haupthaus und die zugehörige Doppelquer-
durchfahrtsscheune (um 1830) gesamtheitlich
zu Wohnzwecken ausgebaut und mit einer
dichten, aber optisch zurückhaltenden Durch-
fensterung versehen. Zur Hofstelle gehört ein
Backhaus in Oberrähmkonstruktion, das nach
seinen durchweg gezapften Verbindungen und
dem fehlenden Kniestock dem späten 18., res-
pektive dem frühen 19.Jh. zuzuweisen ist.
Die ältere Konstruktionsvariante der Schein-
geschossbauten mit hoch liegender Giebel-
schwelle dokumentiert das hinter alten Eichen
aufgehende Zweiständerhallenhaus Schwarm-
stedter Straße 7, dessen mächtige Eichen-
ständer im Wirtschaftsgiebel paarweise ange-
ordnete kurze Kopfbänder und lange Fußstre-
ben absichern. Das inschriftlich in das Jahr
1667 datierte Hallenhaus unter Halbwalmdach
weist noch einige lehmausgefachte Gefache
und den rundbogigen Sturz des Dielentores
auf, wie er für das 17.Jh. charakteristisch ist.
Wie insgesamt häufiger für die Wedemark zu
beobachten, so wurde auch das einstige
Wohnwirtschaftsgebäude Sommerbosteier
Straße 26 noch „1852” (Sturzholz des flach
korbbogigen Tores) mit einem Zweiständer-
innengerüst erstellt; dem späten Zeitansatz ent-
spricht die bündige sowie gleichmäßig geras-
terte Abzimmerung (Pforte von 1870). 1903
wurde eine Traufseite des Hallenhauses massiv
ersetzt und ein neuer Wohnteil erstellt, der in
damals zeitgemäßer Form als zweigeschossi-
ger Massivbau ausgeführt wurde. Lisenenvor-
lagen gestalten zusammen mit einer rustizieren-
den Eckquaderung und schlanken Stichbogen-
fenstern den quer zur Firstlinie des Altbaus

Hellendorf, Grüner Weg 19, Wohnwirtschaftsgebäude, „1697"


Hellendorf, Schwarmstedter Straße 7, Wohnwirtschaftsgebäude, „1667"


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