Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0539
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext

aufwendig gearbeiteten repräsentativen Aus-
stattungsstücke in den Raum hineinkompo-
niert, so dass sie in erheblichem Maße zur
Wirkung des Innenraumes beitragen.
Zu den ältesten Ausstattungsstücken gehört
das um 1500 entstandene, an der Nordwand
des Chores aufgerichtete Sakramentshaus aus
Baumberger Sandstein, ein prächtiges, mit rei-
cher Bauzier ausgestattetes Werk, dessen
Mittelteil durch eine dreigeschossige Fialen-
bekrönung überhöht ist. Dem ausgehenden 15.
Jh. gehört der jetzt im nördlichen Kreuzarm auf-
gestellte Altarschrein mit geschnitzten, farbig
gefassten Figuren unter Wimpergen an: Als
zentrales Thema zeigt er die Verkündigung im
Mittelfeld; in den Seitenfeldern sind zweizeilig
Heilige angeordnet.
Raumprägend sind vor allem die zahlreichen
Grabplatten und Epitaphien, die in ihrer Fülle
das Gotteshaus nahezu museal überhöhen.
Herauszustellen sind die zwei Grabplatten des
14.Jh., die zwei Gliedern der Familie der
Stiftsvögte gelten: Die im nördlichen Kreuzarm
aufgestellte, über 2 m hohe, trapezförmige
Grabplatte, die das Bildnis des verstorbenen
Grafen Johannes von Wunstorf und Roden
(gest. 1334) in eingetieften Umrisslinien zeigt,
und eine zweite, etwas kleinere Platte wurde für
ihn und seine 1358 verstorbene Gemahlin
Walburgis geschaffen, die an der Ostwand des
südlichen Kreuzarmes ihre Aufstellung fand.
Bemerkenswert auch die im nördlichen Quer-
haus aufgestellte Grabplatte des 1537 Ver-
storbenen Cordt von Mandelsloh, eine etwa
2,30 m hohe Grabplatte mit einem Flachrelief
des Verstorbenen in betender Haltung, einge-
fasst von mehreren Wappenschilden. Zu nen-
nen sind ferner die prächtigen frühbarocken
Grabplatten, die die Hauptapsis einfassen.
Nachdem dem Jungfernstift wohl im 12.Jh. ein
Chorherrenstift angegliedert worden war, wur-

Wunstorf, Stiftsstraße 5C, Stiftskirche, Mittelschiff, Blick nach Westen auf den Orgelprospekt


den im Umkreis der Kirche sog. Kurien als
Wohnplätze für die Kanoniker errichtet, die u.a.
den Gottesdienst im Stift verrichteten. Nach
Aussage späterer Pläne erfolgte deren Anord-
nung streng kreisförmig bzw. in der Form eines
lang gezogenen Ovals, dessen Zentrum die
Kirche markierte. Noch heute ist der leicht bogi-
ge Verlauf der Stiftsstraße zu erkennen, in dem
sich vermutlich diese alte Anordnung erhielt.
Heute prägen allerdings einige zum späten Stift
gehörende Funktionsbauten das unmittelbare
Stiftsumfeld. So wird der das Klosterareal
Aufsuchende zunächst von dem einstigen
Pastorenhaus (Stiftsstr. 5) empfangen, dessen
repräsentative neunachsige Fassaden durch
mittig angelegte, flach dreieckig abschließende
Zwerchhäuser eine axiale Ausrichtung gewin-
nen. Das zweigeschossig-traufständige Fach-
werkhaus wird nach seiner Gestaltung und den
die Fassaden einnehmenden Doppelständern
Ende des 18.Jh. entstanden sein.
Als älteste, funktional dem Stift zugehörige
Fachwerkbauten sind weiterhin das sog.
Pfarrwitwenhaus (Nr. 5a) und das Pfarrhaus
(Nr. 7) zu nennen, die mit den Fachwerkbauten
Nr. 11 (1628 d) und Nr. 24 den nördlichen

Wunstorf, Stiftstraße 5, ehern. Pastorenhaus, Ende 18.Jh.

536
 
Annotationen