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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0542
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um einen funktionalen Trakt. Seine schlichte
Konstruktion blieb nach den modernen Um-
bauten noch in der straßenseitigen Front mit
dem stichbogigen Tor erhalten.
Wie der markante Versatz der Sockelstufe und
des Dachfirstes belegt, scheint der ältere
Anschlussbau aus mehreren Baukörpern
zusammengewachsen zu sein. Als auffälligstes
Charakteristikum des wohl ältesten Traktes,
eines traufständigen Fachwerkbaus in Stock-
werkbauweise mit Zierziegelausfachung, sind
die aufwendig reliefierten, auffallend unregelmä-
ßig versetzten Zierhölzer in der rechten Gebäu-
dehälfte anzuführen, deren Versatz auf Zweit-
verwendung hinweisen mag (2. Hälfte 16.Jh.?/
1. Hälfte 17.Jh.?). Zusammen mit einem histo-
ristischen Kastenerker, profilierten Tauband-
knaggen und historischen Fenstern bestimmen
sie den prachtvollen Gesamteindruck des
Gebäudes, das im Bereich der östlichen
Unterkellerung ein leicht variierendes Fachwerk
mit kurzen Fußbändern aufweist. Die Setz-
schwelle des Obergeschosses trägt die
Inschrift: EINS BITTE ICH VOM HERRN DAS
HETE ICH GERN DAS ICH IM HAVSE DES
HERRN BLEIBEN MÖGE MEIN LEBEN U\NG
ZU SCHAWEN DIE SCHÖNE GOTTESDIENST
DES HERRN VND SEINEN TEMPEL ZU BESU-
CHEN: PSALM: 27. Die letzte, bündig abge-
zimmerte Verlängerung erfolgte gegen Osten
um 1800.
Der Wandständerbau Nr. 18 wurde wohl um die
Mitte des 18.Jh. als reiner Wirtschaftsbau
errichtet. Er vermittelt zur dreizehnachsigen, auf
der gesamten Länge historische Fenster auf-
weisenden Fassade des 1787 datierten Kapitel-
hauses (Nr. 20/22), in dem sich ab 1835 die
Wohnung der Vorsteherin befand. Zusammen
mit einer flachen Mauer schließt es als herr-
schaftlich anmutender Kopfbau ein rückseitig
anschließendes Hofareal ab, das nur über zwei
schmale, durch Sandsteinpfeiler flankierte Tore
zu betreten ist. Das östliche Ende der Anlage
bezeichnet ein kleines, als Wandständerbau
errichtetes Kutschenhaus als wohl ältestes
Gebäude dieser Anlage (Nr. 22a, um 1750).
Jüngster Bau des Stiftsbezirkes ist der zur
Stadt vermittelnde zweigeschossige Backstein-
bau Nr. 8, der noch vor 1900 in historistischer
Bausprache entstand. Der durch einen Mittel-
risalit, Rundbogenfries und spitzbogige Blend-
gliederungen ausgewiesene Schulbau folgt mit
seinen großzügig durchfensterten Klassenräu-
men den Forderungen der Zeit, Schulen mit
entsprechend Frischluft, Licht und Raum zu
versorgen.
St. Bartholomaei und der historische Dreiecks-
markt
Nur wenige Meter von der Stiftskirche entfernt
wurde westlich des alten Verbindungsgrabens
die Kirche der Marktsiedlung errichtet, die man
über lange Zeit als den Nachfolgebau der ältes-
ten Stiftskirche bewertete. Die überkommene
bruchsteinerne Kirche (Stiftsstr. 1) wurde den
Bauinschriften nach zu folgern („1690“, „1712“)
um 1700 als Saalkirche errichtet, wobei man

Wunstorf, Stiftsstraße 12, Steinwerk, sog. van Hollesches Haus, Röbbigsturm


Wunstorf, Blick von Osten auf die Kirche St. Bartholomaei und den Fachwerkbau Stiftsstraße 2


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