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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0545
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Wunstorf, Nordstraße, Blick von Südosten


Wunstorf, Lange Straße 78, 80, 82


man ab 1735 zu Um- und Anbauten. Aus die-
ser Zeit stammen auch die überkommenen Auf-
und Grundrisse der rückseitigen Verlängerung,
der Amtswohnung für den Stadtvogt (1735
dendrodatiert), die im Jahr 1801 vier Stuben,
drei Kammern, Keller, Boden und Küche um-
fasste, jedoch gleichermaßen auch als .Neuer
Ratskeller’ diente. Ungeklärt ist bislang die
obergeschossige Nutzung des Ratskellers, da
ein Rathaus als separates Gebäude vermutet
wird; sicherlich werden in Sälen und Stuben
jedoch weitere kommunale Bereiche angesie-
delt gewesen sein. Als späte Zutaten zeichnen
sich schließlich massive Stützpfeiler des 19.Jh.
ab, die ein Umbau des Gebäudes zum Gast-
haus erforderte.
Von der Langen Straße aus betrachtet bildet
der Giebel des Ratskellers den Auftakt zur
geschlossenen traufständigen Bebauung der
Nordstraße, deren zweigeschossige Fachwerk-
bauten im Umkreis der 1913 zerstörten
Synagoge überwiegend um 1813/1815 ent-
standen (Nrn. 1, 3, 5, 7, 9, 10, 11, 12, 13, 15,
17). Die schlichten, zum Teil durch mittige
Zwerchhäuser akzentuierten und vor 1900
zuweilen massiv überprägten Querdielenhäuser
(Nr. 10) zeigen nur noch im Oberstock einige
überzeugende Konstruktionen, während die
erdgeschossigen Gefache und Fenster fast
durchweg modernen Ladeneinbauten zum
Opfer fielen. Wieder zurück zur Langen Straße
gewandt wurde das schräg dem Ratskeller
gegenüberliegende Gebäude Nr. 13 um 1600
erbaut; von der frühen Zeitstellung dieses erd-
geschossig stark modernisierten Ständerbaus
zeugt der traufseitig sichtbare weite Dachüber-
stand über den eng gereihten profilierten
Knaggen. Er gehört zu einer kleinen Gruppe
erhaltener Fachwerkbauten des 16. und frühen
17.Jh., deren über Füll- und Zierhölzern vorkra-
gende Giebelfelder das typische Bild dieses
Straßenabschnitts bestimmen (Nrn. 15,17). Im
weiteren Verlauf der Straße sind neben massi-
ven traufständigen Geschäftshäusern schlichte
giebelständige Ackerbürger- oder aber trauf-
ständige Querdielenhäuser zu registrieren,
deren bündig abgezimmerte und gleichmäßig
gerasterte Steil- und Zwerchgiebel auf eine
spätere, wohl im frühen 19.Jh. erfolgte Bebau-
ung verweisen (Nrn. 62, 78, 80, 82, 86).


Der sich hinter der Langen Straße gegen
Norden und Süden erstreckende Bereich war
seit alters her Adelshöfen vorbehalten. Obwohl
erste anfängliche Überbauungen durch Nut-
zung der Flächen für Wohnhäuser bereits für
das späte 19.Jh. zu registrieren sind (An der
Wassermühle 10, Mittelstr. 9), haben erst die
gravierenden Eingriffe der achtziger und neunzi-
ger Jahre des letzten Jahrhunderts zu entschei-
denden Verlusten geführt. Einen Hinweis auf die
einst hier anliegenden Gutshöfe mit zugehöri-
gen Wohn- und Wirtschaftsbauten vermag der
noch aus dem 17.Jh. stammende, modern ver-
kleidete Speicherbau Speckenstraße 17 zu lie-
fern, dessen Vorkragungen von zeittypischen,
gekehlten Knaggen abgefangen werden. Klarer
blieb die historische Situation in der Anlage An
der Wassermühle 2 erhalten, die als letzte die
einstige Weitläufigkeit eines Burgmannensitzes
bewahrt. Nach seinen charakteristischen hohen

Wunstorf, An der Wassermühle 2, Wohnhaus

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