Zimmermann, Petra Sophia [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 18, Teil 2): Landkreis Celle: Landkreis Celle ohne Stadt Celle — Hameln, 1994

Page: 13
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dtbrd_nds_bd18_2/0015
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DER LANDKREIS CELLE

Geschichte und politische Gliederung
Das Gebiet des Landkreises gehörte ursprünglich zum Stammland der Langobarden. Mit
der Völkerwanderung zogen die Langobarden im 5. Jh. nach Süden, und die Sachsen
nahmen den freigewordenen Raum ein. Zur Verwaltung des sächsischen Machtgebietes
wurden Gaue gebildet, die unter fränkischer Herrschaft weitgehend beibehalten wurden.
In der Nähe des heutigen Celle trafen drei dieser Bezirke zusammen: Der Gau Flotwedel
erstreckte sich über den Süden des heutigen Kreisgebietes, der Loingau über den Nord-
westen und derGretigau überden Nordosten. Hermann Billung, unterOtto I. zum Herzog
über den Loingau und den Bardengau bestimmt, hatte vermutlich vor 951 in Hermanns-
burg einen Burgsitz als Stützpunkt seiner Herrschaft in der Südheide geschaffen. Für die
Gaue Flotwedel und Greti waren die Brunonen als Herzöge eingesetzt. In Nordburg er-
richtete wahrscheinlich Bruno VI. um 1000 eine Festung innerhalb eines bereits beste-
henden Ringwalles.
In karolingischer Zeit - etwa zwischen 800 und 830 - entstanden die sächsischen Bistü-
mer, deren Grenzen sich an derGaueinteilung orientierten. Die Bistümer Minden, Hildes-
heim und Verden hatten am Gebiet des heutigen Kreises Anteil. Im Zuge der christlichen
Missionierung des Landes war in jedem Gau eine zentrale Taufkirche errichtet worden.
Es wird angenommen, daß sich die Kirche für den Gau Flotwedel in Wienhausen befand,
diejenige für den Goe Grete, der westlichen Hälfte des Gretigaues, in Beedenbostel und
diejenige für den Loingau in Ahlden (heute Landkreis Soltau-Fallingbostel). Bei der Grün-
dung weiterer Kirchen folgte man weniger übergeordneten Gliederungsprinzipien als
vielmehrhistorisch-topographischen Gegebenheiten. So konnte-wie im Fall von Bergen
oder Winsen -die Lage an wichtigen Verkehrswegen bestimmend sein. Im 10. Jh. führte
dann das starke Anwachsen der Bevölkerung zum Bau zahlreicher Kirchen, die auch mit
dem Taufrecht ausgestattet wurden. Hatte zunächst der Bischof persönlich bei Visitatio-
nen in den Gaukirchen den „Send“, das geistliche Strafamt, wahrgenommen, wurde
etwa seit dem 11. Jh. ein sogenannter Archidiakon in der Regel aus den Reihen des Dom-
kapitels dafür bestellt; in Wienhausen hatte seit der Klostergründung der Propst dieses
Amt inne. Zum Archidiakonatsbezirk Wienhausen gehörten im heutigen Kreisgebiet die
Kirchen in Ahnsbeck, Beedenbostel, Bröckel, Eldingen, Eschede, Langlingen, Nienha-
gen und Wathlingen. Der Archidiakonatsbezirk Ahlden schloß die Kirchen in Bergen, Her-
mannsburg, Müden (seit 1440 selbständige Pfarre, vorher zu Hermannsburg gehörig),
Sülze (seit 1754 selbständige Pfarre, vorher zu Bergen gehörig) und Winsen ein.
Mit dem Aussterben der Billunger 1106 begann der Aufstieg der Welfen. Heinrich der
Stolze erwarb über den Besitz der Billunger hinaus auch die Stammgüter der Brunonen
als Erbe. Der Sturz Heinrichs des Löwen im Jahr 1180 hatte die Zersplitterung des säch-
sischen Gebietes zur Folge. Die welfische Herrschaft wurde erst 1235 wieder bestätigt,
als Kaiser Friedrich II. das als Herzogtum Braunschweig-Lüneburg bezeichnete Gebiet
an Otto das Kind als Reichslehen übertrug. Unter den Söhnen Ottos wurde das Herzog-
tum 1267 in einen nördlichen und einen südlichen Bereich aufgeteilt, deren Zentren die
beiden Städte Lüneburg und Braunschweig waren. Danach gehörte der Bereich des heu-
tigen Kreises zum Fürstentum Lüneburg, das bis 1705 Bestand hatte.
Im 13./14. Jh. wurde das sächsische Villikationssystem, in dem Guts- oder Meierhöfe
jeweils einen Verbund von Höfen kontrolliert hatten, abgelöst durch die Einrichtung her-
zoglicher Vogteien. Dabei behielt man die historische Einteilung in Gaue und abhängige
Unterbezirke weitgehend bei. Wahrscheinlich im Zuge der Erhebung Celles zur Residenz
der Lüneburger Herzöge 1371 entstand die Großvogtei Celle. Dieser geschlossene Ver-
waltungsbezirk war in zwölf Amtsvogteien gegliedert. Im Bereich des heutigen Kreises
befanden sich die Vogteien Beedenbostel, Bergen, Hermannsburg, Eicklingen, Winsen
und die Burgvogtei Celle. Als Vögte waren Beamte, meist Adelige, eingesetzt, die in ihrem
Bezirk die herzoglichen Rechte als Richter sowie Verwalter des landesherrlichen Grund-
besitzes und damit Korn- und Zinseinnehmer wahrzunehmen hatten. Im Verlauf des 17.
Jh. setzte sich anstelle von „Amtsvogtei“ die Bezeichnung „Amt“ durch, der Beamte
hieß fortan „Amtmann“.
Neben der herzoglichen Verwaltung stand gleichberechtigt der kirchliche Besitz und
seine Verwaltung. Im heutigen Landkreis Celle hatte vor allem das Kloster Wienhausen
ausgedehnten Grundbesitz, Zehntrechte an verschiedenen Dörfern sowie Anteile an der

13
loading ...