Zimmermann, Petra Sophia [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 18, Teil 2): Landkreis Celle: Landkreis Celle ohne Stadt Celle — Hameln, 1994

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ESCHEDE

Eschede liegt 17 km nordöstlich der Stadt
Celle an der Bundesstraße 191. Der Wasser-
lauf der Aschau durchzieht den historischen
Kern. Der seit 1065 verbürgte Ort gehört zu
den älteren Kerndörfern. Eschede wird 1365
erstmals als Kirchdorf genannt, hatte diese
Funktion wahrscheinlich aber schon im
13. Jh. Die Kirche, offenbar eine Stiftung des
welfischen Landesherrn, unterdessen Patro-
nat sie stand, wurde auf dem Hofplatz eines
der ältesten Höfe im Osten des Dorfes ange-
legt. Die Anhöhe, auf der sie steht, heißt
„Theiberg“, was auf eine frühgeschichtliche
Versammlungsstätte hindeuten könnte. Im
Jahr 1438 werden 20 Schatzpflichtige ge-
nannt, im 16. und 17. Jh. bereits 13 Vollhöf-
ner, neun Kötner und ein Brinksitzer; bis 1770
kamen weitere zwei Brinksitzer hinzu. Der
1682 von Francesco Cappellini, genannt
Stecchinelli, in Schafstall (bei Siedenholz,
Gern. Unterlüß) angelegte Postwechsel ist
1795 nach Eschede an die Lüneburger Heer-
straße verlegt worden. 1805 zerstörte ein gro-
ßer Brand viele der alten Bauernhäuser des
Ortes. Im Jahr 1821 besaß Eschede 367 Ein-
wohner, deren Zahl sich bis 1967 verzehn-
fachte. Grund dafür war die 1847 eingeweihte
Eisenbahnstrecke Celle-Harburg mit Station
in Eschede. Der Bahnanschluß löste einen
wirtschaftlichen Aufschwung aus, der viele
Arbeitskräfte nach Eschede zog. Als Güter-
umschlagplatz verfügte der Bahnhof schnell
über ein großes Hinterland. Neben die Land-
wirtschaft - bis dahin fast ausschließlicher Er-
werbszweig der Bevölkerung -traten Handel,
Handwerk und Industrie. Außerdem boten
seit 1911 die Kali- und Steinsalzbergwerke
bei Habighorst und Höfer Arbeitsplätze, von
1938 bis 1945 das „Marinesperrzeugamt
Starkshorn“. Trotzdem wurden - vor allem
nach der Verkoppelung im Jahre 1855 -
einige bäuerliche Betriebe gegründet, teil-
weise als Nebenerwerb. Nach dem Zweiten
Weltkrieg erreichte die Einwohnerzahl durch
die Zuwanderung von Flüchtlingen aus den
ehemals deutschen Ostgebieten ihren
Höchststand. Seitdem ist die Zahl rückläufig,
da es durch den Bedeutungsverlust der Ei-
senbahnstrecke für den Gütertransport und
die Außerbetriebnahme des Kali- und Salz-
bergwerks im Jahr 1977 an Arbeitsplätzen
mangelt.
Eschede gehörte 1438 zur Vogtei Beedenbo-
stel und bildete seit 1664 eine Untervogtei in-
nerhalb dieser Vogtei. 1850 wurde der Ort
Sitz einer eigenen Vogtei, die jedoch schon
neun Jahre später aufgelöst und mit der
Großvogtei Celle vereinigt wurde. 1967 grün-
deten die Gemeinden Eschede und Dalle auf
freiwilliger Basis die Samtgemeinde Eschede
mit Verwaltungssitz im gleichnamigen Ort. Es
war der erste Zusammenschluß dieser Art im
Landkreis Celle. 1968 folgten Weyhausen,
Rebberlah und Starkshorn, 1969 dann Habig-
horst, Scharnhorst und Endeholz. MitderVer-
waltungs- und Gebietsreform 1973 wurde die
Samtgemeinde neu organisiert: Zwangs-
weise wurden auch weitere Gemeinden, wie
Höfer und Marwede, zugeschlagen. Außer-
dem wurden aus den bisher selbständigen


Eschede, Königl. Preuss. Landes-Aufnahme 1899, 1:25.000, Blatt 3227 (Eschede), Nieders. Landesver-
waltungsamt - Landesvermessung - B5 -

Eschede, Kirche, Blick von Südosten


Eschede, Kirche, Blick zum Altar


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