Zimmermann, Petra Sophia [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 18, Teil 2): Landkreis Celle: Landkreis Celle ohne Stadt Celle — Hameln, 1994

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sich die Kirche am Ortsrand. Dorfanger sind nur selten vorhanden. In Eschede und Wath-
lingen erinnern noch die Flur- bzw. Straßenbezeichnungen „Am Theiberg“ und „Am
Thie“ an ehemals dort vorhandene Gerichtsstätten.
Die Struktur des Zeilendorfes zeigen nur wenige Siedlungen im Kreisgebiet. Die Hofstel-
len besitzen einen längsrechteckigen Zuschnitt und lagen in einer Reihe ein- oderauch
beidseitig der Dorfstraße. Die Gebäude waren auf den Hofstellen recht regelmäßig ange-
ordet, und das Haupthaus mit dem Torgiebel zur Straße orientiert. Auch diese Dorfform
konnte durch die Topographie bedingt sein. In Oppershausen und Steinförde erstreckt
sich eine Zeile von Hofstellen parallel zum Verlauf der Aller bzw. der Wietze. In Bleckmar
sind die Höfe in Form einer zweizügigen Talrandreihensiedlung auf einer Hochterrasse
der Meiße angelegt. Weiterhin haben wichtige Verkehrsverbindungen in jüngerer Zeit
Straßendörfer, wie Bröckel, Nindorf und Nienhagen, entstehen lassen. Zumeist schlos-
sen sich hinter den Hofstellen Streifenfluren an.
Für die Südheide ist die Einzelhofsiedlung charakteristisch. Auf den sehr weiträumigen
Hofanlagen sind die zahlreichen Nebengebäude, zu denen vor allem Speicherund Schaf-
ställe gehören, in einem lockeren Kranz um das Bauernhaus gruppiert. Der Hof bildet das
Zentrum eines ausgedehnten Grundbesitzes, bestehend aus Wald, Heideflächen, Acker-
land und Wiesen. Zu den bekanntesten Anlagen dieser Art gehört der Hiesterhof in der
Gemeinde Hermannsburg.

Baugeschichtlicher Überblick
Klostergebäude, Kirchen und Kapellen
Die ältesten Bauten im Kreisgebiet gehören der Sakralarchitektur an. Grund dafür ist mit
der hohen Wertschätzung dieser Gebäude vor allem das verwendete Baumaterial. Bis ins
15. Jh. wurden die kirchlichen Gebäude ausschließlich aus behauenem Naturstein oder
auch aus Ziegelstein erbaut. Erst seit dem 17. Jh. trat das Fachwerk neben den Massiv-
bau. Demgegenüber waren die Profanbauten generell in Fachwerk errichtet, bis gegen
Ende des 19. Jh. der Ziegelbau verbreitet aufkam; als Ausnahmen früherer Zeit können
nur einzelne fiskalische Bauten angeführt werden.
Wenige kirchliche Gebäude im Landkreis gehen als homogene Anlage auf eine be-
stimmte Zeit zurück; die meisten sind im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert
worden. Sei es, daß Zerstörungen oder konstruktive Schwachstellen nach Erneuerungen
verlangten, daß eine größere Gemeinde die Erweiterung der Kirche notwendig machte,
oder auch, daß man den Bau einem anderen Stil anpassen wollte. Selten wurde eine
Kirche gänzlich abgebrochen, gewöhnlich kam es zu einer Verbindung von älteren mit
neuen Gebäudeteilen. So werden im folgenden als Beispiele für die einzelnen Epochen
zumeist solche Bauten genannt, die überwiegend oder in wesentlichen Teilen aus der
entsprechenden Zeit stammen.
Der einschiffige geostete Saalbau herrscht bei den Kirchen und Kapellen im Kreisgebiet
vor. An dieser Grundform wurde über Jahrhunderte hinweg - auch bei baulichen Verän-
derungen-festgehalten. Von den ältesten, aus dem hohen Mittelalter (etwa 10.-13.Jh.)
stammenden Kirchen haben sich nurTeile erhalten, die späterin Neubauten einbezogen
worden sind. An der Gemeindekirche in Wienhausen gehen weite Partien der Nordwand
auf diese Periode zurück. Art und Verlauf des Mauerwerks lassen auf einen schlichten
Saalraum miteingezogenem Rechteckchorschließen. In Eldingen wird das Langhausder
Kirche dieser frühen Zeit zugerechnet. Auch hierbei handelt es sich um einen schmuck-
losen einschiffigen Baukörper. Die Gestalt des ursprünglichen Ostabschlusses ist unbe-
kannt; wohl im fühen 14. Jh. ist das gotische Chorpolygon angefügt worden. Charakteri-
stisch für diese Dorfkirchen ist die Verwendung von Raseneisenstein, Feldstein oder
auch gespaltenem Findling als Baumaterial.
Das Kloster Wienhausen stellt zweifellos das bedeutendste Werk der Sakralarchitektur
im Landkreis Celle dar. Eine erste, nicht mehr exaktzu rekonstruierende Anlage warwohl
nach Gründung des Zisterzienserinnenklosters in den zwanziger Jahren des 13. Jh. ent-
standen, wobei man in dieserZeit bereits die dem Konventzur Mitbenutzung überlassene
Gemeindekirche mit in den Komplex einbezog. Der völlige Neubau der Klosteranlage
wurde im 1. Viertel des 14. Jh. mit der Errichtung des Westflügel sowie des Nonnenchors
in der westlichen Verlängerung der Gemeindekirche eingeleitet. Die beiden Baukörper
geben mit ihren reich gegliederten, im Winkel zueinanderstehenden Treppengiebeln ein

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