Zimmermann, Petra Sophia [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 18, Teil 2): Landkreis Celle: Landkreis Celle ohne Stadt Celle — Hameln, 1994

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Landschaftsbild von Ansiedlungen geprägt, die unter einem dichten Bestand an alten Ei-
chen liegen. Als Siedlungsform tritt das Haufendorf bzw. in kleinerer Dimension der Wei-
ler im Landkreis besonders häufig auf. Das Zeilendorf ist hingegen weniger verbreitet. In
der Heide ist der Einzelhof vorherrschend. Die Kirchorte, die in der Allerniederung in
größerer Zahl, in der Südheide hingegen nur verereinzelt vorhanden sind, weisen ver-
dichtete Dorfkerne auf.
In den älteren Siedlungen bilden die Voll- oder Halbhöfner, die den mittelalterlichen Sied-
lerschichten angehörten, den Dorfkern. Ihre Anzahl reicht von einer bis zu zwölf Stellen.
Die Höfner teilten sich die Nutzungsrechte an der Dorfflur. Zu den ursprünglich größten
Dörfern des Kreises gehören Ahnsbeck, Eschede, Wathlingen und Winsen. Die Voll- und
Halbhöfe sind oft noch heute an den ausgedehnten Parzellen zu erkennen; meistens sind
sie zu einer Niederung orientiert, oder reichen in Wiesen bis zu einem Wasserlauf. Vom
9. bis ins 19. Jh. kamen die Koten hinzu. Sie umfaßten zunächst nur ein Haus und einen
Garten, konnten sich aber im Laufe derZeitzu Bauernhöfen entwickeln. Winsen hatte mit
61 Kötnern besonders viele Neuansiedler aufzuweisen. Die Brincksitzer sind seit Anfang
des 15. Jh. nachgewiesen. Sie durften sich auf der Gemeinheit des Dorfes niederlassen
und waren häufig als Handwerker oderals Arbeiter-so beispielsweise im Salinenbetrieb
von Sülze-tätig. Schließlich treten zurZeit der Verkoppelung in der Mitte des 19. Jh. die
An- und Abbauern auf, die nur ein kleines Stück Land außerhalb der Realgemeinde besa-
ßen und daneben Pachtland bearbeiteten oder sich als Tagelöhner verdingten.

Nordburg, Hofanlage, Vogelschau (1938) Institut für Denkmalpflege


Haufendorf und Weiler kommen im gesamten Landkreis vor. Kennzeichnend für diesen
Dorftyp ist die lockere Gruppierung von Hofstellen auf unterschiedlich zugeschnittenen
Parzellen und mit meist unregelmäßiger Gebäudeanordnung. Viele Siedlungen besaßen
ursprünglich eine Rundform. Auch die ältesten Kerndörfer Baven und Bollersen weisen
diese Form auf. Durch Nachsiedlungen wurde das Siedlungsbild zum Teil verändert. Oft
mußte die Dorfform der topographischen Situation angepaßt werden: So ist beispiels-
weise Winsen in T-förmiger Struktur auf Talsandinseln entstanden, die von der Aller und
zwei Nebenarmen umgeben waren, Alt-Hermannsburg hingegen in dreieckiger Form auf
einer Insel in einem Sumpfgebiet an der Örtze. Lachendorf liegt langgestreckt auf einem
Dünenrücken am Ufer der Lachte. Einige Dörfer sind in halbkreisförmiger Anlage einer
Flußschleife eingepaßt, wie Wolthausen an der Örtze und Wietze am gleichnamigen
Bach. Müden ist in dieser Weise auf den Mündungswinkel von Örtze und Wietze bezogen.
Das Dorf Offen weist eine besondere Struktur auf: Innerhalb eines Rechtecks, das von
Hauptstraße und Feldwegen gerahmt ist, schließen sich die Höfe mit ihren Rückseiten
aneinander. Nurwenige Dörfer-so Bergen, Müden, Langlingen und Wienhausen-besit-
zen als markanten Mittelpunkt Kirchen, die dann häufig erhöht und von baumbestande-
nen Kirchhöfen umgeben sind. In anderen Orten-wie Winsen und Wathlingen-befindet

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