Zimmermann, Petra Sophia [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 18, Teil 2): Landkreis Celle: Landkreis Celle ohne Stadt Celle — Hameln, 1994

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Wathlingen, ehern. Wasserschloß derer v. Lüneburg, M. Merian, 1654


WATHLINGEN

Der 1022 erstmals urkundlich erwähnte Ort
liegt 14 km südöstlich von Celle an der Fuhse.
Siedlungsgeschichtlich unterscheidet sich
Wathlingen von den Dörfern des Flotwedels:
Wathlingen ist nicht auf Dünen, sondern auf
einem alten Schwemmkegel der Fuhse ange-
legt worden. Daher stand hier viel mehr Ak-
kerland zur Verfügung. Zudem boten sich in
der Talaue ausreichend große Weidegründe.
Wahrscheinlich machten es ebendiese gün-
stigen Bedingungen möglich, daß im 14. Jh.
vier Güter in Wathlingen angesiedelt waren.
Darüber hinaus besaß das Dorf im Jahr 1438
bereits elf Hof- und 14 Kötnerstellen. Bis zum
Jahr 1700 waren noch 13 Kötner und 17
Brinksitzer hinzugekommen. Um zahlreiche
kleinbäuerliche Stellen wuchs die Ansiedlung
dann um die Mitte des 19. Jh. im Zuge der
Verkoppelung. Am Anfang dieses Jahrhun-
derts brachte die Einrichtung des Kalischach-
tes Niedersachsen (1905-09) im Süden von
Wathlingen starke Veränderungen mit sich:
Durch die Zuwanderung von Bergarbeitern
und Angestellten stieg die Einwohnerzahl von
rund 700 im Jahr 1900 auf 1.950 im Jahr 1925
an. Noch heute betreibt hier die Kali und Salz
AG Kalibergbau, seit 1963 auch Steinsalzab-
bau. Mit ihrer 1.525 m-Sohle ist dies die tief-
ste Kaligrube der Welt. Obwohl Wathlingen
durch den Bergbau zu einem Industrieort ge-
worden ist, hat sich im Kern doch der Charak-
ter einer bäuerlichen Ansiedlung bewahrt.

Von den vier, im 14. Jh. verbürgten Gutshö-
fen existiert heute nur noch das Gut von Re-
den, ehemals von Lüneburg. Es geht auf das
Gut von Dageförde zurück, das ursprünglich
- ebenso wie die drei anderen Gutshöfe - in-
nerhalb des Dorfkomplexes gelegen hatte.
Nachdem der Hof um 1550 abgebrannt war,
wurde er nordöstlich außerhalb des Dorfes
neu errichtet. Am Anfang des 17. Jh. erbaute
der letzte Herr von Dageförde ein Wasser-
schloß, das sich etwas südlich der heutigen
Gutsanlage befand. Nach seinem Tod fiel das
Gut 1616 an die Herzöge zurück. Herzog Au-
gust der Ältere kaufte das Gut seinen Brüdern
ab. Er übergab es 1634 seinen Nachkommen
aus der Ehe mit der Amtmannstochter Ilse
Schmiedichen, die-in den Reichsadelsstand
erhoben - den Namen „von Lüneburg“ er-
hielt. Bis 1731 waren auch die anderen Güter
in den Besitz der Familie von Lüneburg über-
gegangen. Unter dieser Familie bildete Wath-
lingen von 1650-1847 ein sogenanntes „ge-
schlossenes adeliges Gericht“, das sich aus
vogteilichen Rechten der von Dageförde ent-
wickelt hatte: Das Dorf stellte damit einen
kleinen Hoheitsbezirk dar, in dem die Familie
von Lüneburg die Gerichtsbarkeit und be-
stimmte Verwaltungsangelegenheiten ver-
trat. Seit 1696 war der Familie von Lüneburg
das Patronat über Kirche und Schule in Wath-
lingen übertragen worden.

Gutshof
Das Gut von Reden liegt an der Straße nach
Eicklingen. Südlich der Straße öffnet sich das
Tor zum Gutshof zwischen vier Sandstein-
pfeilern. Die Zufahrt führt, von alten Eichen
gesäumt, um einen Rasenplatz herum zu dem
Herrenhaus. Der zweigeschossige Fach-
werkbau von 1799 ist an der Vorderfront mit
einer horizontalen Holzverschalung des 19.
Jh. versehen, die Quadermauerwerk imitiert.
Diese Front ist durch neun Fensterachsen re-
gelmäßig gegliedert; über den mittleren drei
Achsen erhebt sich im Dach ein Zwerchhaus.
Vor das Portal ist ein Portikus gebaut, über
dem sich im Obergeschoß ein Balkon befin-
det. Südlich des Herrenhauses befindet sich
das Kutscherhaus. Der Fachwerkbau geht im
Kern auf das Torhausder ehemaligen Schloß-
anlage zurück, das sich im Kupferstich von
Merian aus dem Jahr 1654 widergegeben fin-
det. 1739 hat man das Haus vergrößert und
zwei Wohneinheiten eingebaut. Hinter dem
Herrenhaus erstreckt sich ein Park, der um
1790 angelegt worden ist. Darin steht ein ok-
togonaler Pavillon von 1670. Auch hier
täuscht der Holzbau eine massive Konstruk-
tion vor: zwischen Dreiviertelsäulen toskani-
scher Ordnung an den Ecken sind hohe
Rundbogenarkaden ausgeschnitten. Der
zum Gut gehörige Wirtschaftsbetrieb wurde
um 1930 auf der anderen Straßenseite einge-
richtet. Zuvor hatten hier nur zwei Scheunen
und eine Kotstelle gelegen.

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