Zimmermann, Petra Sophia [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 18, Teil 2): Landkreis Celle: Landkreis Celle ohne Stadt Celle — Hameln, 1994

Page: 161
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Stichgleis wurde von der Kleinbahnstrecke
Celle-Wittingen bei Beedenbostel abge-
zweigt und bis zum Kalischacht geführt. Das
östlich des Dorfes verlaufende Gleis trennte
die Hofstellen von den zugehörigen Streifen-
fluren. Für die zugezogenen Arbeitskräfte
- die Einwohnerzahl stieg von 129 im Jahr
1905 auf 325 im Jahr 1925 - schuf die Berg-
baugesellschaft zwischen Dorfkern und
Schachtanlage entlang der Hauptstraße Un-
terkünfte in Reihen- und Vierfamilienhäusern.
Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden im Nor-
den, Westen und Osten von Höfer Gebiete
erschlossen und hauptsächlich von Bergleu-
ten, die sich teils in Kleinsiedlungsgesell-
schaften zusammengeschlossen hatten, mit
Einfamilienhäusern bebaut. Im Dorfbild tritt je-
doch heute noch der geschlossene, dicht mit
Laubbäumen eingegrünte, historische Kern
von Höfer in Erscheinung. SeitderVerkoppe-
lung, als noch einige kleine Stellen hinzuka-
men, hat sich der Parzellenzuschnitt weitge-
hend erhalten. Die alten Gebäudeaufden Hö-
fen sind allerdings vielfach modernisiert bzw.
durch Neubauten ersetzt worden. Ein Zwei-
ständerhaus mitKübbungen (Allerhoop4)da-
tiert mit einigen Veränderungen noch von
1788. Darüber hinaus ist die Ansicht von Hö-
fer durch die ehemalige Schachtanlage mit
dem markanten Fördertum geprägt. Auf der
Anlage hat sich ein Kraftwerk erhalten, das
noch die ursprüngliche Ausstattung mit zwei
U-Boot-Dieselmotoren besitzt.
Bald nach der Machtübernahme der National-
sozialisten 1933 hatte im Deutschen Reich
die Aufrüstung begonnen. Vielerorts entstan-
den Munitionsanstalten (Munas) für die Teil-
streitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine. Die
Standortwahl der Rüstungsplaner fiel aus
Gründen der Tarnung häufig auf ländliche Ge-
biete. So wurde 1934 auf dem Aschenberg
zwischen Höferund Scharnhorstmitdem Bau
der „Luftmuna Höfer“ begonnen, in der die
Reichsluftwaffe während des Krieges Bom-
ben und Munition produzieren ließ. Ein An-
schlußgleis und eine Straße wurden von Hö-
fer dorthin geführt. 1934 bis 1936 entstand
die heute noch vorhandene Aschenbergsied-
lung mit Kasernen für die Soldaten und Woh-
nungen für die Angestellten, Beamten und
Offiziere. Die Munitionsanstalt wurde 1945
auf eigenes Kommando gesprengt, die Sied-
lung hingegen von Mariaglück übernommen
und an Werksangehörige vermietet. Heute
befinden sich auf dem Aschenberg die Bun-
desforschungsanstalt für Kleintierzucht und
eine Heeresdienststelle.

HÖFER-OHE

Die Ortschaft Ohe, 4 km westlich von Höfer,
besteht aus drei großen nebeneinanderlie-
genden Hofstellen; nach Westen gehen sie in
Wiesen über, die bis zum Haberlandbach rei-
chen. Die alte Bausubstanz auf den seit dem
Ende des 16. Jh. verbürgten Höfen stammt
überwiegend aus dem 19. Jh., ist aber im
Laufe dieses Jahrhunderts verändert und
durch Neubauten ergänzt worden. Auf Hof
Nr. 2 hat sich das Rudiment eines Speichers
erhalten, der wohl auf die 2. Hälfte des 17. Jh."

zurückgeht. Frühe Schmuckformen sind hier
am Sturz mit Vorhangbogen und am Gebälk
mit profilierten Knaggen und Balkenköpfen
zwischen gerundeten Füllhölzern zu erken-
nen.

HOHNE

Hohne, 23 km östlich von Celle gelegen, be-
sitzt im Kernbereich die Struktur eines Zeilen-
dorfes. Die Hofstellen erstrecken sich auf
längsrechteckigen Grundstücken beidseitig
der Dorfstraße. Dahinter schließen sich Strei-
fenfluren an. Die nördlichen Grundstücke fal-
len zu dem Bach Wiehe hin ab, die südlichen
liegen auf ansteigendem Gelände. Dem
Schatzregister von 1438 zufolge gab es in
Hohne zehn Hofstellen. Im Jahr 1667, nach
dem Hausbuch der Amtsvogtei Beedenbo-
stel, hatte sich ihre Zahl bereits verdoppelt.
Bis zum Anfang dieses Jahrhunderts kamen
zahlreiche Kleinbauern, Brincksitzer sowie
An- und Abbauern, hinzu. Hohneerlebtezwei
große Dorfbrände, den ersten 1636 während

des Dreißigjährigen Krieges, den zweiten im
Jahr 1878. Nach dem letzten Brand wurden
im Zuge der Verkoppelung die Hofgrund-
stücke reguliert und die Dorfstraße, die heu-
tige Landesstraße 284, begradigt und zur
Landstraße ausgebaut. Zwischen 1893 und
1911 folgte der Ausbau der Nord-Süd- Stra-
ßenverbindung, der Landesstraße 283. Das
Dorf wuchs entlang dieser Straßen nach
Osten und Süden. Nach dem Zweiten Welt-
krieg stieg die Einwohnerzahl durch die Zu-
wanderung von Flüchtlingen stark an, und es
entstand die Siedlung „Hohes Feld“ im Nord-
westen des Dorfes. Ein weiterer Entwick-
lungsschub war seit den fünfziger Jahren
durch die Entdeckung von Ölvorkommen in
Hohne und Umgebung bedingt. Die Deut-
sche Erdöl AG errichtete im Westen von
Hohne einen Ölverarbeitungsbetrieb. Ob-
wohl derOrtzu einem Mittelpunkt der Erdölin-
dustrie in der Südheide wurde, hat er im Kern
doch bis heute seinen ländlichen Charakter
bewahrt.


Höfer, Allerhoop 4, Wohnwirtschaftsgebäude, 1788

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