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vor den Wällen suchten, fanden sie noch
ausreichend überschwemmungsfreies Gar-
tenland in Stadtnahe vor, auf dem allenfalls
Garten- oder vereinzelt Sommerhäuser
standen. Das „Lichtenbergsche Garten-
haus” (Brauweg 34, erbaut um 1775) zeigt
allerdings nicht die südliche Grenze des Bür-
gergartenbereichs an, da es erst 1908 von
seinem ursprünglichen Standort (Weender
Landstraße 37) transloziert wurde. Dagegen
hat sich eines der Sommerhäuser an der
Bürgerstraße (Nr. 12/14, Bauherr Professor
Bergmann) in einem ehemals großen Garten
erhalten. Es ist ein klassizistischer Putzbau
von1835, den Professor Ihering 1872 vergrö-
ßerte und anschließend als Dauerwohnsitz
nutzte. Er repräsentiert die ältere Schicht
von Gebäuden am südlichen Abschnitt der
„Ringstraße”.
Die Besiedlung dieser „Ringstraße” begann
um 1860 östlich des Leinekanals (s. u.) und
um 1870 am Eingang zum Rosdorfer Weg
(s. o. Die westlichen Stadtgebiete) mit
anspruchsvollen Villen, sparte aber
zunächst den Sektor zwischen der südlichen
Verlängerung der Gartenstraße und dem
Leinekanal aus.

Hier entstanden erst in den letzten 15 Jahren
des 19. Jh. Gebäude, unter denen die vier
ältesten bemerkenswert sind. Die heutige
Voigtschule (Nr. 15, erbaut 1885/86, Archi-
tekt: Gerber) bildet die letzte derdrei großen
Schulen der Bürgerstraße (s. u.). Bürger-
straße 17 (erbaut ca. 1885) ist ein kleines Ein-
familienhaus in Fachwerkausführung, wie es
sich Mittelschichtsbürger leisten konnten
(vgl. Weender Landstraße 21; Wilhelm-
Weber-Straße 1). Diese symmetrisch struk-
turierten Häuser aus preiswertem Material,
liebevoll geschmückt mit Zierart an der
Dachzone und hölzernen Vorbauten, haben
den Charakter einer kleinstädtischen Stadt-
randbebauung. Sie waren nicht so selten,
sind heute jedoch in vielen Fällen stark ver-
ändert.
Bürgerstraße 10, datiert 1886, ist ein zweige-
schossiger anspruchsvollerer Massivbau
mit Natursteingliederung, in der Elemente
der nordeuropäischen Renaissance auf-
tauchen, wie sie ähnlich an Nr. 21, datiert
1890, in reicherer Ausführung verarbeitet
sind. Diese Dekorformen wurden in den
neunziger Jahren auch an einfacheren Miet-
wohnhäusern repetiert, z. B. Rosdorfer Weg

5 (erbaut ca. 1890), einem durch seine
städtebauliche Situation in der Straßenga-
belung Rosdorfer Weg/Marienstraße auffäl-
ligen Bau. Zu dieser Zeit waren die Marien-
und die Wiesenstraße neu angelegt. Die
Marienstraße erhielt erst später ihre
Bebauung (s. u.); das oben erwähnte Eck-
haus, das wie der Auftaktzu einer planvollen
Aufsiedlung wirkt, blieb ein Einzelbau.
Dagegen entstanden bisca. 1905 an der Bür-
ger- und Wiesenstraße, an der auch das
1895/96 gegründete Vergnügungszentrum
„Colosseum” (Rest der Anlage Wiesen-
straße 7) lag, Mehrfamilienhäuser für
bescheidene Ansprüche, unterdenen einige
wegen ihrer besonderen Fachwerkgestal-
tung, Fassadengliederung und ihrermarkan-
ten Stellung im Stadtbild herausragen (Bür-
gerstraße 24, Wiesenstraße 12, 14, 16; Wie-
senstraße 19; Bürgerstraße 32a, Wiesen-
straße 2, 4).
Ab 1898 bis 1902 errichtete der Architekt
Rott im Rahmen des um sich greifenden
spekulativen Wohnungsbaus eine symme-
trisch gegliederte Zeile von mehrgeschossi-
gen Reihenmiethäusern (Wiesenstraße
34 -42), die in freier Symmetrie Eckbauten


Bürgerstraße 12/14, 10,15,17



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