Rüttgerodt-Riechmann, Ilse [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,1): Landkreis Göttingen: Stadt Göttingen — Braunschweig, 1982

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Rehbach. Städtebaulich die wichtigsten
Gebäude in diesem Bereich bilden Zoll-
stock 15 und Gotteslager 1, zwei große Fach-
werkbauten von etwa 1800 mit späteren Ver-
änderungen und Anbauten, die zusammen
mit dem Bachlauf den Eingang ins Dorf prä-
gen. Auf der gegenüberliegenden Seite kon-
trastieren zu dieser historischen dörflichen
Bebauung zwei typisch städtisch beein-
flußte, vergleichsweise große Wohnhäuser
(Backhausstraße 20, 22), die den Umbruch
zur „verstädterten” Bebauung um 1900
anzeigen.
Das Gebäude Gotteslager 1 leitet gleichzei-
tig zu der frühesten Besiedlung außerhalb
des alten Dorfkerns über: Mit dem ehemali-
gen Streckhof Gotteslager3 von 1710, heute
zum Hakenhof erweitert, und mit dem etwa
gleichaltrigen „Reststreckhof” Schäfer-
gasse 1 mag diese Entwicklung begonnen
haben. Hier finden sich auch wieder die für
Grone charakteristischen aneinanderge-
bauten Hauptgebäude von Höfen (Gottesla-
ger 8 und 10, etwa 1800).
Am Straßenzug Krug- und Zehntscheuer-
straße, den optisch im Westen das Anwesen

Grone, Krugstraße 11, ca. 1800


Grone, Zehntscheuerstraße 20, 1722


Grone, Garbenstraße 26, ca. 1800


Siekweg 2/Helvesanger 1 aus dem späten
19. Jh. abschließt, finden sich einige Bei-
spiele für größere Anlagen auf breiteren Par-
zellen, deren Wohnhäusermit den nachvorn
anschließenden Wirtschaftsgebäuden
Hakenhöfe bilden, oder auf denen man sich
freistehende Nebengebäude leisten
konnte: Krugstraße 23, ehemaliger Ratshof
der Stadt Göttingen von etwa 1800 mit
einem massiven, an die Straße grenzenden
Stall; Zehntscheuerstraße 21, von 1841 mit
einer später errichteten Schmiede; Zehnt-
scheuerstraße 1, angeblich von 1732 mit
Stall und Scheune von etwa 1900. Traufstän-
digkeit herrscht - allerdings aufgelockert
durch die vorgesetzten Anbauten - vor. Eine
Ausnahme bildet das giebelständige Haus
Krugstraße 25 von 1881.
Die übrigen Höfe (Streckhöfe) dieses Stra-
ßenzuges stießen z. T. bereits im 18. Jh. an-
einander und bildeten geschlossene Rei-
hen; entsprechendes läßt sich auch an der
Garbenstraße feststellen. Leider jedoch rei-
ßen z. Zt. Veränderungen und Ersatzbauten
diese typische Struktur auf, so daß nur Teile
dieser „Zeilen” den historisch gewachsenen

Zustand dokumentieren: Krugstraße 11,
erbaut um 1800 und später erweitert, leitet
eine solche Gruppe ein, Zehntscheuer-
straße 4 (um 1800) und Nr. 10 (Mitte des
18. Jh.) bilden die Endpunkte einerweiteren
Reihe; ähnlich verhält es sich mit Zehnt-
scheuerstraße 18 (1821) und Nr. 20 (1722).
An das in der Substanz gut erhaltene Eck-
haus von 1712, Backhausstraße 2, mit mäch-
tiger Vorkragung und langerlnschrift (vgl.zur
straßenabgewandten „Hauptfassade” Zoll-
stock 54) lehnen sich im Westen seit dem
späten 18. Jh. kleinere Gebäude an. Auf der
Nordseite der Garbenstraße liegt in einer
Reihe das Haus Nr. 26 von etwa 1800, das
durch seine besondere Abzimmerung (zwei-
fache Verriegelung, jedoch niedrige Stock-
werke, vgl. Gotteslager 1) auffällt.
Gleichsam den westlichen Endpunkt der
historischen Dorfbebauung stellen die bei-
den größeren Gehöfte Schlagmühlenweg 2
- ein zurZeit verhängter Komplex von 1858 -
und Lange Rekesweg 2 - aus den Jahren um
1800 - dar, mit denen die alte Dorfgrenze im
Westen übersprungen wurde.

Grone, Krugstraße 23, 25


Grone, Zehntscheuerstraße 21, 1841



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