Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,3): Landkreis Göttingen, T. 2: , Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen — Braunschweig, 1997

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Unterhinterstraße unterteilt, deren Schnittpunkt
die Jüdenstraße bildet. Erst seit 1928 trägt sie
den einheitlichen Namen Hinterstraße. Bereits
im 16.Jh. gründete hier das Kloster Pöhlde ei-
nen Klosterhof, dessen Nachfolgebau, Hinter-
straße 33, heute das Amtsgericht beherbergt.
Geprägt wird die Hinterstraße durch eine ge-
schlossene, zwei- und dreigeschossige, trauf-
ständig ausgerichtete Fachwerkbebauung, de-
ren Zeilenbildung nur durch schmale Quer-
straßen unterbrochen wird. Auf niedrigen
Sandsteinquadersockel gestellt, schließen die
Bauten mit hohen Satteldächern bzw. ausge-
bauten Mansarddächern ab. Zur malerischen
Wirkung des Straßenbildes tragen neben den
prächtigen Fassaden auch der leicht gekrümm-
te und durch schwach ausgeprägte Verwicke-
lungen bestimmte Straßenverlauf sowie bemer-
kenswerte, zumeist barocke Portale (Nr. 28,
32, 39, 66, 73, 77 und 81) bei.
Auch stadtbaugeschichtlich ist die Straße von
großem Wert, dokumentiert sie doch anschau-
lich die unterschiedlichen Bauweisen innerstäd-
tischer Bürgerhäuser mit ihren konstruktiven
und gestalterischen Differenzierungen in einem
abwechslungsreichen geschlossenen Neben-
einander.
Das herausragende Gebäude in der Hinter-
straße ist der langgestreckte, in 22 Achsen er-
richtete Pöhlder Hof (Hinterstraße 33). Überlie-
fert ist, daß nach Einführung der Reformation in
Pöhlde um 1532 der gesamte Konvent mit Zu-
stimmung des Mainzer Erzbischofs aus seinem
Stammkloster in den Duderstädter Klosterhof
übersiedelte. Im Jahre 1577 fiel der Klosterhof
an den Kurfürsten von Mainz, der den Hof
durch die Duderstädter Stadtschultheißen ver-
walten ließ. Der bereits 1663 als baufällig be-
zeichnete Pöhlder Hof wurde durch den
Großbrand im Jahre 1720 vernichtet und 1721
neu aufgebaut.
Zu der Anlage gehörte ferner auf dem rückwär-
tigen Teil der Parzelle eine massive, aus Sand-
steinquadern gemauerte Scheune (1731), von
der sich noch beachtliche Rudimente erhalten
haben, die parallel zur Stadtmauer verlaufen. Ei-
nen bemerkenswerten Akzent setzt der Wap-
penstein des Kurfürsten Philipp Carl von Eltz
aus dem Jahre 1734.
Bestimmt wird der straßenbildprägende dreige-
schossige Fachwerkbau des frühen 18.Jh.
durch dichtgestellte Doppelständer sowie durch
paarweise angeordnete, kurze Fußstreben in
den Brüstungsgefachen, die mit kurzen, unter-
halb der Fenster angeordneten Streben alter-
nieren. Fassadengliedernd wirkt auch die leich-
te Abknickung des Hauses, die den Baukörper
in zwei unterschiedlich große Abschnitte unter-
teilt.
Der zweifellos älteste Fachwerkbau der Hinter-
straße ist der sechsachsige Bau Nr. 75 aus der
Zeit um 1500 mit einem mittels durchlaufender
Ständer zusammengefaßten Erd- und Zwi-
schengeschoß und einem etwa 50 Zentimeter
ausladenden Oberstock.
Straßenbildkonstituierend sind aufgrund ihrer
Gestaltwerte die Bauten Nr. 7, 9, 11, 13, 15,
17, 35, 66, 73, 77, 79 und 81.


Hinterstraße 39, Detail


Hinterstraße, Straßenaufnahme, Blick von Westen

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