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Lufen, Peter Ferdinand [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,3): Landkreis Göttingen, Teil 2: Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen — Hameln: Verlag CW Niemeyer, 1997

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https://doi.org/10.11588/diglit.44173#0266
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GLEICHEN-ETZENBORN

Etzenborn, Neuendorfer Straße 8 und 6, Wohnhäuser der Hofanlage


Etzenborn, Neuendorfer Straße 6, Wohnhaus, 2. Hälfte 17.Jh.



Etzenborn, Neuendorfer Straße 10, Wohnhaus der Hofanlage

Im äußersten östlichen Zipfel der Gemeinde
Gleichen, nahe des zur ehemaligen DDR
gehörenden Landkreises Worbis liegt der
1184/1203 erstmals als „Ehgenburnen“ ge-
nannte Ort Etzenborn. Die Natheniederung nut-
zend, wird das auf etwa 230 Meter ü. NN gele-
gene Dorf umschlossen von Nesselrödener
Wald, Roter Uferberg, Klafterberg, Silberberg
und den Ausläufern des Kreitholzes. Verbunden
ist Etzenborn mit Weißenborn, Nesselröden,
Beienrode und Neuendorf. Wie die Gemar-
kungskarte von 1871 und die Königl. Preuss.
Landesaufnahme von 1879 ausweisen, haben
sich Straßen- und Wegeführung nur unwesent-
lich verändert. Ortsbildbestimmend ist die Neu-
endorfer Straße, die im mittleren Teil ein insel-
förmiges Areal umschließt, auf dem die neugoti-
sche Kirche einen besonderen Akzent setzt. Die
Neuendorfer Straße findet An der Etzequelle ih-
re Fortsetzung. Nach Norden zweigt der Stadt-
weg ab, überwindet die Nathe und erschließt
einen etwas abseits gelegenen Siedlungsbe-
reich am Natheweg. Während im südwestlichen
Teil der Neuendorfer Straße Zwei- und Dreiseit-
höfe auf großzügig bemessenen Parzellen vor-
herrschen, verdichtet sich die Bebauung An der
Etzequelle. Zu den als Denkmale ausgewiese-
nen Bauten gehören das Wohnhaus An der
Etzequelle 4, die ev. Kirche (Neuendorfer
Straße) und die Hofanlagen bzw. Wohnhäuser
Neuendorfer Straße 6, 8, 9, 10, 12, 15 s.owie
das Pfarrhaus Neuendorfer Straße 17.
Bemerkenswert sind die z.T. noch aus dem
17.Jh. stammenden Fachwerkbauten im Um-
kreis der Kirche.
Aufgrund seiner exponierten Lage kommt dem
Pfarrhaus Neuendorfer Straße 17 Denkmal-
qualität zu. Der stockwerkweise abgezimmerte
doppelstöckige Fachwerkbau unter Satteldach,
dessen Oberstock dreiseitig leicht vorkragt,
weist in den Eckgefachen gekrümmte Fußstre-
ben und kurze Kopfbänder auf, die sich zu K-
Streben verbinden. Die Gestaltung der Gebälk-
zone und die Ausbildung der Eckgefache ver-
weisen auf eine Bauzeit Mitte des 18.Jh. Zu
den ältesten erhaltenen Bauten Etzenborns
gehört zweifellos das giebelständig ausgerich-
tete Wohnhaus der Hofanlage Neuendorfer
Straße 8. Seine mit gedrehtem Tauwerk ver-
zierte Gebälkzone datiert den Bau ins ausge-
hende 17.Jh. Zur gleichen Zeit entstand der un-
mittelbar angrenzende Bau Neuendorfer
Straße 6 gegenüber der Kirche. Der von der
Straßenflucht leicht zurückgesetzte giebelstän-
dige Bau zeigt ebenfalls zeittypische Schmuck-
formen: Zahnschnittfriese auf der Unterkante
der Oberstockschwelle mit durchlaufendem,
gedrehtem Tauwerk zieren die Gebälkzone.
Entsprechend zeigen die Eckständer herausge-
arbeitete schmale Säulchen mit gewundenen
Schäften. Darüber hinaus weisen die Eckgefa-
che hohe gekrümmte Fußstreben auf, von de-
nen kurze Kopfstreben ans Rähm geführt sind.
Gleichartige Zierformen finden sich auch am
Gebälk des im 19.Jh. erweiterten Wohnhauses
der Hofstelle Neuendorfer Straße 15. Gänzlich
andere Gestaltwerte liegen dem langgestreck-
ten Wohnwirtschaftsgebäude An der Etzequel-
le 4 zugrunde. Der auf hohen Quadersockel ge-
stellte Fachwerkbau von 1811 zeigt eine klar als
Fassadenseite aufgefaßte Giebelfront, überzo-

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