Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,3): Landkreis Göttingen, T. 2: , Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen — Braunschweig, 1997

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Niederungen weit verbreitete Löß sowie die Ver-
witterungsprodukte des Rots bedingen die
Fruchtbarkeit der Landschaft.
Der Ort „Overefelt“ wird im Jahre 1184 in einem
Einlösungsbrief der Äbtissin Agnes II. von
Quedlinburg erstmals erwähnt. Der Quelle ist zu
entnehmen, daß die Äbtissin verschiedene,
dem Stift durch Veräußerung oder Verpfändung
abhanden gekommene Besitzungen zurück-
kaufte, darunter Güter in Immingerode und
Obernfeld. Zu Beginn des 15.Jh. besaßen in
„Obernfelt“ die Herren von Wintzingerode und
Lauterberg sowie das Kloster Teistungenburg
Lehengüter. Im Jahre 1626 vernichteten die
Truppen des Christian von Braunschweig nahe-
zu den gesamten Baubestand des Ortes, der
zu jener Zeit etwa 70 Feuerstellen zählte. Ein
Raub der Flammen wurden auch Teile der 1473
erbauten Kirche St. Blasius (Westturm, Lang-
haus).
Entwickelt hat sich das unregelmäßig geformte
Haufendorf Obernfeld aus einem Straßendorf,
noch heute erkennbar an der von Nordwesten
nach Südosten verlaufenden, leicht gekrümm-
ten Hauptstraße, die außerhalb des Ortskerns
in die B 247 übergeht, die zugleich die Anbin-
dung an Gieboldehausen, Mingerode und Du-
derstadt herstellt. Entlang des Hauptstraßenzu-
ges entstanden allmählich Anlagerungen weite-
rer bebauter Areale, so daß sich das
Straßendorf mehr und mehr zu einem Haufen-
dorf entwickelte. Vom gliedernden Haupt-
straßenarm zweigen schmalere Ringstraßen
und kurze Erschließungsstraßen ab, die sich mit
zunehmender Dorfausdehnung zu einem ver-
trackten Straßennetz verbinden, wie auch die
Gaußsche Landesaufnahme des frühen 19.Jh.
zeigt. Charakteristisch für das Ortsbild Obern-
felds sind auch die an den Straßengabelungen
sich weitenden Knotenpunkte, die vor allem im
Umkreis von St. Blasius markante Akzente set-
zen. Unverwechselbar ist der klar herausgear-
beitete Mittelpunkt des Dorfes, ausgewiesen
durch die leicht erhöht liegende kath. Pfarrkir-
che und dem unmittelbar angrenzenden Dorf-
krug Kirchgasse 1 von 1671. Zu erwähnen ist
auch das inzwischen wegen Baufälligkeit abge-
tragene älteste Schulhaus, das als Küsterge-
bäude diente und zwischen Gemeindekrug und
Friedhofsmauer lag. 1832/36 errichtete man ein
neues Schulgebäude mit zwei Dienstwohnun-
gen, das bis 1955 genutzt wurde und dem
heutigen Schulhaus weichen mußte. Eindrucks-
volle Akzente im Straßen- und Dorfbild setzen
auch die prächtigen Bildstöcke und Wegekreu-
ze, die als Zeichen katholischer Volksfrömmig-
keit bis heute wirksam sind.
Zu den herauszustellenden Bauten gehören:
Hauptstraße 24, 31, 33, 35, 72, 90, die kath.
Pfarrkirche St. Blasius Kaltenhagen 5, das
Pfarrhaus Kaltenhagen 9, der Dorfkrug Kirch-
gasse 1, Kirchgasse 2 sowie die Bildstöcke
Hahlestraße, Hauptstraße, Popperstieg,
Stadtweg und Teichwiesenweg.
Der überkommene, bis in die Mitte des 17.Jh.
zurückreichende Althausbestand (Dorfkrug,
Kirchgasse 1, 1671) stammt zum überwiegen-
den Teil aus der 2. Hälfte des 18.Jh. In seiner
Gesamtheit ist er jedoch durch neuzeitlichen

Obernfeld, Ortslage mit kath. Pfarrkirche St. Blasius


Obernfeld, Kirchgasse 2, Wohnhaus, 1725



Obernfeld, Hauptstraße 72, Wohnwirtschaftsgebäude

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