Fliegende Blätter — 24.1856 (Nr. 553-576)

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Sprüche der Weisheit aus den Memoiren


Ein häßlicher Mann kann sein Glück bei Damen machen;
^ ein phlegmatischer nie.
Die Ehe ist, wie der Tod, der Anfang eines besseren
Lebens; aber mit dem guten Leben hat es darin ein Ende.
Die Natur malte den Mann al trssco, das Weib sn
miniature; darum gewinnt der Mann, wodurch das Weib ver-
! liert, durch die Entfernung.
Ich möchte den Mann kennen, der das Weib kennt;
aber ich möchte nicht das Weib kennen, das den Mann kennt.
Mit manchen Frauen hat man nur ein gutes Auskom-
men, wenn man ein gutes Einkommen hat.
Die Ehe ist wie ein Kleid, das man eine Zeit lang ge-
tragen haben muß, um sich darin ganz behaglich zu fühlen,
und das eineni erst dann recht lieb zu werden beginnt, wenn
es zu reißen anfängt.
Die sogenannten Brodstndien (Jurisprudenz, Medicin u.
s. w.) sollte man eigentlich Bratenstudien nennen.
Es gibt eine Armuth, die kein Gold aufwiegt: die Ar-
muth an — Zweifeln.
Mancher Mensch taugt zu gar nichts, nicht einmal zum
Taugenichts.
Eltern leben für die Kinder, diese später wieder für die
ihrigen oder andere; Niemand lebt recht eigentlich für sich selbst.
Das Erdenleben ist eine Kindergeschichte.
Wer es mit den Menschen verdirbt — verdirbt.

des strangulirten Seriaskers Malek Nanu. 191
In der Freude ist der Mensch leichter kennen zu lernen,
als im Schmerze; denn Lust erschließt die Brust, Trauer
zieht um sie eine Mauer.
Der trunkene Geist erzeugt, der nüchterne erzieht Gedanken.
Die Franzosen nahmen von den Deutschen das Wort
„Halt!" — die Deutschen von den Franzosen das Wort
„Marsch!" an.

Verschiedene Todesarten.
Bon einem Thürmer Pflegt man zu sagen: dem hat
seine letzte Stunde geschlagen.
Bon eineni Zahnarzt: dem thnt kein Zahn mehr weh.
Von einem .Kutscher: ihn hat Gott ausgespannt.
Von einem Fährmann: er ist hinüber.
Von einer Waschfrau: sie hat ausgerungen.
Von einem Stadtpfeifer: er hat auf dem letzten
Loche gepfiffen.
Von einem Polizcidiener: Gott hat ihn zu sich ge-
nommen.
Den Nachtwächter hat Gott abgerufen.
Ein Oekonom hat urs Gras beißen müssen.
Ein Soldat hat ausgekämpft.
Einem Bäcker ist sein Brod gebacken.
Verschiedene Rauschnamen.
Ein Sultan hat es in der Krone.
Ein Theolog ist selig.
Ein Fuhrmann hat schwer geladen.
Ein Friseur hat einen Haarbeutel.
Ein Schornsteinfeger ist schwarz.
Ein Schuhmacher ist versohlt.
Ein Fleischer ist angcräuchert.
Warnung.
Fließe, Bächlein, fließe
Ohne Rast und Ruh!
Liebes Bächlein, fließe
Deinem Meere zu.
Heiter durch Gefilde,
Wo mit Duft und Klang
Blühende Gebilde
Kränzen deinen Gang.
Wenn sich Steine stemmen
Wild in deinen Weg,
Lasse dich nicht hemmen,
Schlüpfe durch's Geheg.
Aber nur im Sande
Sickere nicht ein,
Das soll hier zu Lande
Gar gefährlich sein!

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Sprüche der Weisheit aus den Memoiren des strangulirten Seriaskers Malek Nanu"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Säbel
Schreibfeder
Karikatur
Satirische Zeitschrift
Türken <Motiv>

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
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Fliegende Blätter, 24.1856, Nr. 576, S. 191 Universitätsbibliothek Heidelberg
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