Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 35,2.1842

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N°. 60. HEIDELBERGER 1843.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

K u r % e A n z e i g e n.
CB es chlus s.)
Diesem für die Kunstgeschichte sehr wichtigen Werke folgte im Jahr
1838 eine Special-Ausgabe der für die Litteratur gleich interessanten
Lebensbeschreibungen der Sophisten, welche durch den gelehrten kriti-
schen und exegetischen Apparat des Herrn Professor Kayser bedeutend
gewonnen haben, und kurz darauf förderte derselbe Gelehrte die bisher
unedirte Schrift über die Gymnastik ans Tageslicht Nur fehlte
noch eine Special-Ausgabe von der bedeutendsten Schrift des Phiiostra-
tus, dem Leben des Apollonius von Tyana, und der unbedeutendsten,
seine Briefe. Der Zufall, oder wenn wir an den bekannten Ausspruch,
habent sua fata libelli, denken, das Schicksal wollte, dass letztere
zuerst einen Herausgeber gefunden haben, uüd so wenig besagend auch
ihr Inhalt ist, so zweifelhaft es bei vielen seyn mag, ob sie nur vom
Philostratus herrühren, so hat sich Herr Boissonade doch theils durch
Heranziehung eines sonst weniger zugänglichen Schriftwerkes, theils
durch den Commentar, womit er sie nach seinem eigenen Ausdruck (Prae-
fat. XIX.) „ornavit, seu ut veriüs loquar, oneravit,“ den erneuten Dank
der Philologen verdient. Wie bei den meisten von B. bearbeiteten Schrift-
stellern ist auch hier die Sauce besser als der Fisch, und letzterer findet
seine Liebhaber um der ersten willen. Er selbst spricht sich darüber
folgendermasscn aus: „hic rneus est mos, verbis auctoris ad digressiones
uti et abuti quoque. Vitium quid ein est, fatebor enim; sed ferendum
quadam versus in auctoribus plerumque malis, etiam pessimis, quos
edendos mihi sumsi. Atque in eo sum opinione sic me posse bi-
bliopolarum rebus consulere. Nam qui auctorem spernit ipsum nec in
manus saniere dignabitur, aegre tarnen ejus editione carebit homo criticus
et philologus, in cujus commentario ad aliorum illustrationem et emen-
dationem frequenter excurritur.“ Wir haben hierzu nichts weiter beizu-
fügen, als dass der Commentar nicht nur eine Fortsetzung, sondern theil-
weise auch eine Ergänzung der durch eine Keihe von 36 Jahren fortlau-
fenden Arbeiten des Herrn Boissonade enthält, und somit den Philologen
von der strengen Observanz eine sehr erfreuliche Gabe ist. Möchte es
dem unermüdet thätigen, in die spätere griechische Litteratur so ganz
eingelebten Manne gefallen, uns noch mit zwei im Buchhandel längst
fehlenden Schriftstellern, Julianus und Libanius, zu beschenken» Dies
wären würdige Aufgaben für die königliche Druckerei, deren Unterstütz-
ung wir bereits die fünf Bände von Boissonade’,s Anecdota verdanken.
XXXV. Jahrg. 6 Doppelheft. 60
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