Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 35,2.1842

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V. 50. HEIDELBERGER 1842.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Kurze Anzeigen*
(Beschluss*)
Nichts von Allem dem, was di« alte Literatur der Griechen und Rö-
mer. oder die gelehrte Forschung der neueren Zeit über die hier in Rede
stehenden Punkte vorgebracht hat, ist unbeachtet gelassen oder über-
gangen, auf die Darstellung selbst ein Fleiss und eine Sorgfalt auch im
lateinischen Ausdruck verwendet worden, wie sie leider immer seltener
unter uns zu werden anfängt. Wenn im 1. Cap. die Nachrichten über
das lateinische Königthum sich zusammengestellt finden und am Schlüsse
eine tabellarische Uebersicht der von den verschiedenen Schriftstellern
des Alterthums angegebenen Könige Alba’s geliefert wird, worin jedoch
der Verf. mit Niebuhr nur ein Produkt der späteren Zeit erkennt, so
folgt im 2. Cap., das den grössesten Raum einnimmt (S. 9—40), eine
Untersuchung über die nach der allmähligen Abschaffung der Königs-
würde in den lateinischen Staaten eingetretene Einführung der Dictatur,
was in Alba schon um die Zeit der Gründung Rom s stattgefunden haben
soll. Von der fast königlichen, aber doch theils durch den Senat, theils
durch die Wahl und die jährliche Dauer beschränkten Gewalt dieser Dic-
tatoren der lateinischen Staaten wird näher gehandelt; es kommen dabei
noch andere, auf die Verfassungen und Einrichtungen der lateinischen
Städte bezügliche Gegenstände zur Sprache, wobei der Verf. sich jedoch
von allen Hypothesen fern zu halfen gesucht hat. Alles Einzelne hier
anzuführen, erlaubt der Raum dieser Anzeige nicht, da wir über den
letzten Theil der Abhandlung oder über Cap. 3. noch Einiges zu bemer-
ken haben. Hier erörtert der Verf., wie oben bemerkt, den Ursprung
der römischen Dictatur^ die man hauptsächlich auf die Autorität des
Licinius Macer bisher so ziemlich allgemein für ein aus Alba nach Rom
verpflanztes oder doch von dorther aufgenommenes Institut angesehen
hat. Der Verfasser, wenn er auch dieser Ansicht vor der des Dionysius
von Halicarnass, welche auf Griechenland zurückgeht und die Dictatoren
mit den Aesymneten zusammenstellt (Antiqq. V,3 78. 74.), bei weitem den
Vorzug gibt, hält sie darum aber doch noch nicht für die richtige; er
glaubt vielmehr, dass da, wo die Verschiedenheit der Institute selber so
bedeutend sey, wie hier, die Autorität oder die blosse Ansicht eines spä-
teren Annalisten für uns nicht das Gewicht und die Bedeutung haben
könne, um uns zu veranlassen, ihr unbedingt zu folgen und an ihn siefe
anzuschliessen. Er insi&tirt zuvörderst auf der Verschiedenheit des Na-
mens, der zu Rom ursprünglich magister populi, später erst Die-
XXXV« Jahrg. 5. Doppelheft 50
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